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100 Schilder auf 460 Metern

27.09.2012 | 20:00 Uhr
100 Schilder auf 460 Metern
Ab 2013 will die Stadt auf der Hauptstraße mit weniger Schildern auskommen.Foto: Uwe Möller / WAZ FotoPool

Heiligenhaus.   Leser monieren: Auf der Hauptstraße können Autofahrer nicht mehr durchblicken, nach welchen Regeln sie fahren und parken sollen. Die Stadt erklärt den Schilderwald mit den Umbauarbeiten, Geld und dem Gesetz.

„Machen Sie sich doch mal den ‘Spaß’ und zählen Sie die Schilder entlang der Hauptstraße“, fordert uns Online-Leser Buerokrat auf, und schickt direkt hinterher: „Vergessen Sie dabei jedoch bitte nicht die Zusatzschilder (zeitliche Einschränkungen etc.).“ Dem sind wir nachgekommen – mit dem Ergebnis: Allein zwischen Jahnstraße und Kirchplatz tummeln sich auf einer Länge von gut 460 Metern 100 Schilder. Beim Zählen kamen wir mit Heiligenhauser Bürgern ins Gespräch und stellten fest: Buerokrat ist nicht der einzige, der die Schlussfolgerung zieht: „Einfach nur erschreckend, was dem Autofahrer hier zugemutet wird.“

Engelbert Hiby redet Klartext: „Beschissen“, schimpft er, sei die Beschilderung entlang der Hauptstraße. Bei diesem Schilderwald könne kein Autofahrer mehr durchblicken. „Je mehr Schilder da sind, desto weniger sehen Sie.“ Die Situation kostet ihn Nerven. Und Geld: An der Hauptstraße werde so oft die Beschilderung geändert, da müsse er „das Navi jedes Jahr auf den neuesten Stand bringen. Das kostet 105 Euro.“

Auch Wolfgang Schulz gibt zu, dass er den Überblick über die Schilder verloren hat. Damit ist er nicht allein, wie er beobachtet hat: „Die Schilder werden sowieso nicht beachtet.“ Anfang September habe ab 7 Uhr Parkverbot geherrscht, „da parkten die trotzdem“. Seine Konsequenz aus der Unübersichtlichkeit: „Ich bin zwar Autofahrer, aber wenn ich in die Stadt will, nehme ich das Auto meistens erst gar nicht mit.“

„Die Schilder sind nicht überflüssig“

Trotzdem: Nur schimpfen will Wolfgang Schulz nicht. „Die Schilder sind nicht überflüssig“, zeigt er Verständnis. Bei den vielen Veränderungen an der und um die Hauptstraße herum sei eine entsprechende Beschilderung zwar ein Übel, aber notwendig. Schulz hofft auf das Ende der Baustellen: „Das wird sich normalisieren, wenn die Bauerei hier vorbei ist.“

Bis dahin wirbt Jürgen Kaufmann von der Straßenverkehrsbehörde um Verständnis, auch wenn er zugibt: „Es ist schwierig zu überblicken.“ Das sei aber nicht schlimm, schließlich bezöge sich die „Masse“ der Schilder auf Parkregeln. „Wer durchfährt, muss das nicht sofort begreifen.“

„Unbelehrbare Autofahrer nutzen rechtliche Lücken aus“

Nötig sei aber jedes einzelne Schild. Und zwar aus drei Gründen: Zum einen „haben wir dort sehr viele Wünsche“. Anwohner, Händler, Mitarbeiter, Kunden und nicht zuletzt die Politik haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wann wo geparkt oder beladen werden darf. Außerdem müsse die Beschilderung gesetzlich eindeutig sein. Denn immer wieder gebe es „unbelehrbare Autofahrer, die rechtliche Lücken ausnutzen“. Einen dritten Grund erläutert Michael Krahl, Leiter des Fachbereichs Straßenbau: Ab Mitte 2013 wird die Fahrbahn der Hauptstraße aufgerissen. Daher habe die Stadt bewusst auf Schilder statt auf eine Fahrbahnmarkierung gesetzt. Die Schilder kann sie wiederverwenden; die Investition für die Fahrbahnmarkierungen hätten die Bagger unter sich begraben.

Ab Frühjahr 2013 ist trotzdem mit weniger Schildern zu rechnen, kündigt Kaufmann an: „Wir werden versuchen, mit möglichst wenig Schildern auszukommen.“ Ganz darauf verzichten wird die Stadt an der Hauptstraße aber wohl nicht, auch wenn Wohngebiete wie das sogenannte Migua-Viertel zeigen, dass keine Beschilderung durchaus eine sinnvolle Beschilderung sein kann. Auf den Bereich zwischen Jahnstraße und Kirchplatz lässt sich das laut Kaufmann aber nicht übertragen: „Radfahrer im Gegenverkehr, das wird nicht ohne Schild funktionieren.“

Monique de Cleur



Kommentare
02.10.2012
15:09
100 Schilder auf 460 Metern
von gm_hh | #2

Schön für Engelbert Hiby, dass er ein Navi hat, dass sogar die Schilder kennt.
Schlecht natürlich für ihn, dass er die Schilder anscheinend ohne Navi nicht findet. Ohne Augen auf kostet es halt 105 Euros...

Beidseitig nur 2 Stunden parken von Sachsenstraße bis Bahnhofstraße bei gefühlten fünf Gewerbetreibenden und Hunderten von Anwohnern, das wurde wohl auch in Schilda geplant, zusammen mit der Beschilderung!
Aber das Ganze ist eh ein Chaos, wenn ich eine Fahrspur dicht machen will ist es schon doof, eine Parkscheibenzone einzurichten wo dann tagsüber kaum jemand parkt wie am genannten Stück. So wird die linke Spur dann fleissig mitbenutzt.

28.09.2012
07:47
100 Schilder auf 460 Metern
von Buerokrat | #1

Liebe WAZ,
vielen Dank, dass Sie sich dem Thema so schnell angenommen haben. Danke auch dem Fotografen für das eindrucksvolle Foto. Wer genau hinschaut, erkennt, dass beim vordersten Halteverbotsschild die kreuzweise Überklebung teilweise wieder entfernt worden ist (ist in der Zeitung noch besser zu erkennen). Nicht nur die Anzahl der Schilder führt also zur Verwirrung, sondern auch deren (Nicht-)Gültigkeit.

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