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Stadtgeschichte

Zwischen Trauer und Kultur

30.09.2012 | 19:00 Uhr
Zwischen Trauer und Kultur
Auf dem Evangelischen Friedhof gab es am Samstag für Besucher im Bereich des Grabsteinmuseums auch Einblicke in die Stadtgeschichte.Foto: Svenja Hanusch

Hattingen.   „Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, sondern das Gedächtnis von Kultur und Stadtgeschichte“ – mit diesen Worten lädt die Friedhofsverwaltung zum ersten Mal zu einer Führung über den Evangelischen Friedhof ein. Silvia Schulte, Christian Klewer und Marianne Chitralla nehmen sich nicht nur Zeit, um Besuchern die Geschichte des Friedhofes näher zu bringen und über die verschiedenen Beisetzungs- und Grabformen zu informieren, sondern stehen auch für Fragen und Anregungen zur Verfügung.

„Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, sondern das Gedächtnis von Kultur und Stadtgeschichte“ – mit diesen Worten lädt die Friedhofsverwaltung zum ersten Mal zu einer Führung über den Evangelischen Friedhof ein. Silvia Schulte, Christian Klewer und Marianne Chitralla nehmen sich nicht nur Zeit, um Besuchern die Geschichte des Friedhofes näher zu bringen und über die verschiedenen Beisetzungs- und Grabformen zu informieren, sondern stehen auch für Fragen und Anregungen zur Verfügung.

Dass der Friedhof viel mehr ist als ein Ort zum Trauern, lässt sich an seiner Geschichte erkennen. „Seit 1864 wird auf dem evangelischen Friedhof beigesetzt“, erklärt Schulte den interessierten Besuchern. Von dieser Historie zeugen noch heute die alten Grabsteine von Hattinger Persönlichkeiten sowie die alte Glocke aus dem Turm der Trauerhalle. „Im Grabsteinmuseum sind diese Steine ausgestellt“, so Schulte mit Blick auf die historischen Steinskulpturen.

Den Sprung in die Gegenwart des Friedhofes symbolisiert das Kolumbarium – Wände, hinter deren Steinplatten seit September 2008 die Urnen Verstorbener ruhen. „Die Nachfrage ist sehr groß“, weiß Silvia Schulte und deutet auf die gravierten Namen auf den Platten: „Im kommenden Jahr soll daher eine weitere Wand erbaut werden.“ Der Hauptgedanke des Kolumbariums sei die pflegefreie Grabart, so die Friedhofsverwalterin. „Das ist eine praktische und saubere Lösung“, überlegt eine Besucherin mit Blick auf die Steinwände und fügt hinzu: „Die Nachkommen leben ja oft nicht mehr in der gleichen Stadt und können Gräber nicht pflegen.“ Das Kolumbarium wirke jedoch sehr steril und unpersönlich, wirft eine Zuhörerin ein und runzelt die Stirn. „Man könnte die kleinen Grünflächen um die Wände herum mit Blumen bepflanzen“, schlagen die Frauen vor und suchen nach weiteren Möglichkeiten der Verschönerung. „Ich würde mir auch am Grab meines Mannes eine Sitzgelegenheit wünschen wie hier“, wendet sich eine ältere Dame an Silvia Schulte und lässt sich auf einer Bank nieder. Die Friedhofsverwalter notieren derweil Wünsche, Vorschläge und Anregungen ihrer Gäste. Tief betroffen zeigen sich die Besucher an der Grabstätte für tot- und fehlgeborene Kinder – eine schlichte Steinskulptur ziert das Gemeinschaftsgrab. „Für die Eltern ist dies ein Ort, um ihre Trauer zu verarbeiten“, weiß Silvia Schulte.



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