Zwischen Feuer, Konkurs und „Wurstkönig“

Hattingen..  Das Haus der Kamine, das ist Haus Kemnade. Denn Kemnade leitet sich her von Kemenate, einem beheizbaren Raum. Das feste Haus Kemnade am Ruhrufer wurde vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts von der Familie von Dücker erbaut. Seine heutige Gestalt erhielt es aber erst im Laufe der folgenden Jahrhunderte in denen sich zahlreiche Bauherren an dem lippischen Lehnen verewigten.

Ein besonderer Einschnitt was das große Feuer am Ostertag des Jahres 1589 als das Haus bis auf die Grundmauern niederbrannte. 13 Jahre später beginnt Wennemar von Recke mit dem Wiederaufbau. Der 30-jährige Krieg und wirtschaftliche Not verzögern die Arbeiten.

Bis Johann Georg von Syberg, Schwiegersohn Wennemars und Drost des Landesherrn von der Mark, den Bau 1647 fortsetzt. „Weil das Amt in Blankenstein zu heruntergekommen war, ließ er es abreißen und aus dem Material den Turm von Kemnade bauen“, weiß Denkmalpfleger Jürgen Uphues.

In den Konkurs trieb Lebemann Johann Friedrich von Syberg das Haus im Jahr 1742. Für seinen Schuldenberg hatte er unrechtmäßig auch mit Lehensgütern gebürgt – wie Haus Kemnade. Die Zwangsversteigerung verhinderte aber Friedrich der Große gerade noch rechtzeitig,

Das Haus geht erst gut 100 Jahre später an die Familie Berswordt-Wallrabe. Bis das Gemäuer und die dazugehörigen Ländereien 1921 zum Zweck der Wassergewinnung an die Stadt Bochum verkauft werden. Die verhandelt 1999 über eine Privatisierung von Haus Kemnade – der „Wurstkönig“ Reinhold Zimmermann (Zimbo) ist interessiert. Nach massiven Protesten eine Bürgerinitiative, die tausende Unterschriften sammelt, entscheidet der Bochumer Rat gegen den Verkauf.