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Zwischen Faszination und Verfall

07.10.2011 | 18:14 Uhr
Zwischen Faszination und Verfall

Hattingen.   Die Burgruine ist auch nach mehr als 800 Jahren gefragt: Ein neues Buch beleuchtet archäologische Hintergründe

Unkraut wuchert aus den Fugen, Backsteinstücke brechen aus der Mauer: Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen an den Überresten der Isenburg. „Die Steine der Burgmauern verwittern und lösen sich“, erklärt Jürgen Uphues vom Verein zur Erhaltung der Isenburg, „wir arbeiten gezielt gegen diesen Zerfall an“. Die Steine der Isenburg als letzte Überreste einer imposanten Burgbefestigung wecken auch heute, mehr als 800 Jahre nach Erbauung um 1200 Faszination und Forschungsinteresse.

Die Ausstellung „Aufruhr 1225“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne beleuchtete im vergangenen Jahr die Geschichte der Burgbewohner, sowie die Hintergründe der Burgzerstörung.

„Nach der Ausstellung hatten wir zwar nicht wesentlich mehr Besucher als zuvor, qualitativ gab es aber eine Steigerung“, berichtet Uphues. „Viele Gäste hatten sich im Vorfeld mit der Burg beschäftigt und kamen gezielt hierher.“

Einen archäologischen Einblick in die Isenburg-Historie bietet jetzt das Buch „Die Isenburger an der Ruhr“ von Stefan Leenen. Der hat über die Isenburg promoviert, weiß Uphues und erklärt: „Die überarbeitete Form dieser archäologischen Doktorarbeit ist Grundlage für das neue Buch.“ Als Student habe Leenen mehrere Jahre vor Ort für seine Dissertation geforscht. Das Ergebnis: Eine umfassende Bewertung verschiedener Fundstücke sowie eine Darstellung von Architektur und Kultur des 13. Jahrhunderts.

Doch auch für Nicht-Archäologen sei das Buch interessant, überlegt Uphues, „die Vergangenheit der Isenburg ist spannend“. Tatsächlich bieten Intrigen, Macht sowie der Mord am Erzbischof von Köln durch Burgherr Friedrich von Isenberg, eine abenteuerliche Unterhaltung vor mittelalterlicher Kulisse.

Ab den 1920er-Jahren lockte das Freilichttheater auf dem Gelände der Isenburg viele Besucher auf den Berg. Heute kämen die Gäste meist nur an den Wochenenden. „Wir zählen jährlich etwa 30 000 Besucher in unserem Museum“, erklärt Uphues. Hier sei die Geschichte der Burg mit Fundstücken sowie verschiedenen Ansichts-Modellen ausgestellt. „Da von dieser Burg nur noch die Grundmauern stehen, versuchen wir, Modelle zu entwickeln, wie die Anlage ursprünglich ausgesehen haben könnte.“ Hierfür wurden Mauerrest und Grundriss der Befestigung analysiert und mit anderen Anlagen verglichen. „Leider gibt es auf die Frage, wie es hier einmal ausgesehen haben könnte, keine sichere Antwort“.

An die Anfänge der Ausgrabungen auf dem Isenberg erinnert sich Uphues noch gut. „Die Buddel-AG vom Gymnasium Waldstraße legte ab 1969 große Teile der Burganlage frei“, bis 1989 traten zudem etwa 30 000 mittelalterliche Fundstücke zu Tage. „Diese Funde haben kaum materiellen Wert“, weiß Uphues, „wissenschaftlich sind sie dagegen unbezahlbar.“

Nach Beendigung der Ausgrabungen veränderte sich auch die Arbeit des Denkmalpflegers: „Heute buddeln wir nicht mehr, unser Verein sieht seine Aufgaben in anfallenden Pflege- und Restaurierungsarbeiten, wir organisieren Ausstellungen und Führungen über das Gelände.“ Uphues selbst lebt im Landhaus Custodis, im 19. Jahrhundert in die Ruine hineingebaut. Auch in Zukunft werde das Interesse an der Isenburg nicht abnehmen, ist sich Uphues sicher: „Die Überreste und Geschichten des Mittelalters faszinieren die Menschen zu sehr.“

Julia Benkel

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Kommentare
10.10.2011
11:55
Zwischen Faszination und Verfall
von ruhrkanal | #1

Wie schön das da oben istk ann man auch hier sehen: http://vimeo.com/29329244
Jürgen Uphues gab die Erlaubnis Stefan Lex und seinen Chor in der Burganlage aufzunehmen. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle.
http://vimeo.com/28658942

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