Das aktuelle Wetter Hattingen 18°C
Schimmel im Stadtarchiv

Zugang verboten

08.12.2009 | 17:24 Uhr

Stadtarchiv: Schimmelprobleme sind schon länger bekannt. Bisherige Maßnahmen blieben wirkungslos.

Ein weißlicher Belag hat sich auf Akten im Zwischenarchiv der Stadt breitgemacht. Schimmelpilze sorgen dafür, dass die Dokumente und auch die Gesundheit der Mitarbeiter gefährdet sind.

„Wir wissen davon seit gut vier Jahren”, sagt Stadtspecher Thomas Griesohn-Pflieger. „Wir haben auch verschiedene Maßnahmen ergriffen – alles ohne Erfolg.” Der Keller im Welperaner Gemeindeamt bekam neuen Estrich und eine Grundreinigung. Doch nichts half gegen die lästigen Sporen.

Schuld ist – „so blöd das klingt”, meint Griesohn-Pflieger – auch der Klimawandel. „Die Zahl der Tage mit Starkregen hat zugenommen. Die Drainage kann die Wassermassen nicht bewältigen, die Feuchtigkeit steigt in den Keller.” Eine Sanierung des Gebäudes komme allerdings nicht in Frage, zu aufwendig und teuer wären die Arbeiten. „Deswegen werden wir umziehen, wenn der Ausschuss morgen entsprechend entscheidet”, so Griesohn-Pflieger.

Aspergillus versicolor heißt der Übeltäter. Um zu verhindern, dass sich dieser oder andere Pilze breitmachen, „sollte man kein Nährmedium bieten”, erläutert eine Wittener Baubiologin. Pilze gedeihen besonders gut auf saurem Untergrund. „Deswegen ist Alkalisches an den Wänden geeignet, um Ansiedlung und Wachstum zu verhindern.” Dazu sollte die Luftfeuchtigkeit im Raum 70 Prozent nicht überschreiten, denn bereits ab 72 Prozent ist Pilzwachstum möglich, sagt die Expertin. Je nach Begebenheit könnten die Kosten für eine Sanierung betroffener Gebäude immens sein. „Beispielsweise, wenn die Kellerwände freigelegt und bearbeitet werden müssen.”

Ähnlich gelagert sei der Fall Stadtarchiv, berichtet Thomas Griesohn-Pflieger. „Wir müssten von außen an die Kellerwände und ich befürchte, dass einige Wände sogar komplett erneuert werden müssen. Wenn dort einmal Schimmel drin ist, wird man den nur schwer wieder los.”

Für die Mitarbeiter heißt das, dass sie nur mit Schutzkleidung in den Archivkeller dürfen – wenn überhaupt. „Der Keller ist geschlossen, eigentlich geht da keiner mehr rein”, sagt Stadtsprecher Griesohn-Pflieger. Sollte doch mal jemand hinunter müssen – zum Beispiel zur Ortsbegehung – dann nur mit massiven Schutzvorkehrungen: „Atemschutz, Haarnetz, Handschuhe, Kittel und Schuhüberzieher müssen getragen werden”, zählt er auf. „Nach der Begehung muss die Schutzkleidung entsorgt werden.” Sollte der Haupt- und Finanzausschuss dem Vorschlag von Stadtarchivar Thomas Weiß folgen, dann sind diese Maßnahmen bald nicht mehr erforderlich.

Dem Umzug in die Hüttenstraße steht dann nichts mehr im Weg. Doch Arbeit gibt es auch dann noch genug: Die Akten müssen dekontaminiert werden. „Zwei Varianten sind dazu möglich”, erläutert Restaurierungs-Expertin Birgit Geller vom LWL-Archivamt für Westfalen. „Möglichkeit eins ist der Einsatz eines speziellen Saugers. Durch entsprechende Filter ist die ausgestoßene Luft nicht mehr mit Partikeln oder Sporen belastet.”

Dann gebe es auch die Möglichkeit, Oberflächen von Dokumenten mit Pinseln, Bürsten oder einer Art Radiergummi zu bearbeiten: „Das Radierkissen ist etwa so groß wie ein Haushalts-Schwamm, dazu krümeliger und weicher als ein normales Radiergummi. So können die Schimmelpartikel besser aufgenommen werden.” Die Oberflächenreinigung ermögliche eine weitere Nutzung der Dokumente und diene in erster Linie dem Gesundheitsschutz von Mitarbeitern und Nutzern. „Vernichtet werden müssen befallene Dokumente in der Regel nicht”, macht Geller deutlich. „Das Papier wird durch langfristigen Befall stark abgebaut, eventuell faserig oder lappig. Dem können wir aber mit unseren üblichen Restaurierungsmaßnahmen beikommen.”

Schimmel im Bunker

Schimmelbefall gibt es auch im Bunker am Reschop. „Da haben wir große Probleme”, gibt Stadtsprecher Thomas Griesohn-Pflieger zu. „Aber eine Sanierung lohnt sich nicht, der Gegenwert ist schlicht nicht gegeben.” Dass der Bunker nicht genutzt werden könne, sei „kein Riesenverlust.” Ganz im Gegenteil zum Keller im Welperaner Gemeindeamt: „Der könnte durchaus noch anders genutzt werden.”

Sascha Döring

Facebook
 
Kommentare
09.12.2009
09:54
Zugang verboten
von BVBFan | #1

Andere Gebäude sind auch mit Schimmel belastet. Siehe Grundschule Niederwenigern. Ein Kellerraum gegenüber einer Klasse ist dichtgemacht worden.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2235563/create

Aktuelle Fotos und Videos
Integrationsfest
Bildgalerie
Fotostrecke
Taufstein als ökumenisches Verbindungsglied
Bildgalerie
Kirche
Pfingstkirmes
Bildgalerie
Rummel
Aus dem Ressort
VHS im Zweckverband ist vom Tisch
Volkshochschule
Hattinger Beitritt abgelehnt. Einrichtungen sind zu unterschiedlich. Kooperationen angestrebt.
Quartett unterstützt Bildungsarbeit
Förderverein
Vorstand des VHS-Fördervereins setzt auf Ideen und Projekte.