Zehn Jahre offene St.-Georgs-Kirche

Wer im Urlaub an einer Kirche vorbeikommt, erwartet ganz selbstverständlich, dass er das Gotteshaus besichtigen kann. Doch wer hierzulande eine der etwa 20 000 Kirchen und Kapellen von innen betrachten möchte, muss sich in der Regel auf die „Nacht der offenen Kirchen“ oder auf den Sonntag beschränken – außerhalb der Gottesdienstzeiten steht man sonst meist vor verschlossenen Türen. Anders in Hattingen: Die St.-Georgs-Kirche im Herzen der Altstadt ist eine „verlässlich offene Kirche“ – und das seit nunmehr zehn Jahren. Das bedeutet konkret: An sieben Tagen in der Woche, werktags vier Stunden und sonntags nach dem Gottesdienst zwei Stunden lang, können Menschen in das Gotteshaus kommen, um dort zu beten, eine Kerze anzuzünden, die Architektur zu bewundern – oder einen Moment der Ruhe zu finden. Das wird am 1. Februar ab 10 Uhr mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Menschen aus der Gemeinde, aber auch Fremde, Radtouristen und andere Besucher der Stadt kommen immer wieder in die Kirche. Im ­vergangenen Jahr waren es 55 000. Und sie bringen Neugierde oder auch den Wunsch nach Ruhe oder nach einem Gespräch mit. Wie stellt man sich darauf ein? Für Giesela Niemke, die von ersten Tag an zum Team gehört, ist das ganz einfach: „Ich hab ja Zeit, ich warte einfach, was passiert…“ Oft beginnen die Gespräche damit, dass eine Frage zum Kirchraum gestellt wird. „Darum bilden wir unser Team aus“, erklärt der Gemeindepfarrer Udo Polenske. Ein Flugblatt hilft, sich auch allein in der Kirche zurecht zu finden; zudem haben die Ehrenamtlichen alternierende Themen, über die sie mit den Besuchern ins Gespräch kommen können. „Mal erklären wir ein Fenster, mal erzählen wir etwas über die Geschichte der Orgel“, erzählt Gi­sela Niemke.