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Kemnader See

Wühlen erwünscht

14.10.2012 | 21:00 Uhr
Wühlen erwünscht
Foto: Michael Korte

Hattingen.  Ein Dauerbrenner: Seit 18 Jahren schon gibt es jeden Dienstag den Kindertrödel am Kemnader See.

Lasse, Jonas und Mathilda haben eines gemeinsam: Sie stecken warm eingepackt in der Bauchtrage ihrer Mama. Jene „Manducas“ gehören wohl zur Basisausstattung eines Flohmarktbesuchs, genau wie Schnäppchenlust und die Schale Pommes.

Seit 18 Jahren findet an jedem Dienstag der Kindersachentrödel am Hafen Heveney des Kemnader Sees statt. Was mit drei Tapeziertischen im Städte-Dreieck Bochum-Hattingen-Witten begann, hat sich inzwischen zum festen Treffpunkt für Jungmütter und -väter aus den umliegenden Städten etabliert. Sei das Wetter noch so schäbig: Immer findet der Flohmarkt statt, immer ist er gut besucht.

Erlös für die Enkelkinder

Manche, wie Sarah Stawowy, besorgen sich hier die komplette Babyausstattung. „Seitdem Melissa auf der Welt ist, war ich jeden Dienstag hier“, berichtet sie. „Das lohnt sich total.“ Inzwischen ist ihre Tochter sechs Monate alt, und nun steht Mama Sarah selbst hinter Bodys und Stramplern – als Verkäuferin. Lohnt sich das auch? „Naja“, räumt sie ein, „man geht schnell mit dem Preis runter, ich will die Sachen ja nicht wieder mit nach Hause nehmen.“

Hinter Holzspielzeug sitzen Werner und Heidrun Kirchner entspannt in ihren Klappstühlen. „Wir haben feste Preise dran geschrieben. Das ist für uns gemütlicher“, verrät der Rentner. Ihr familieninternes Verkaufsprinzip: Die fünf Enkelkinder misten aus, Opa und Oma verkaufen. Und vom Erlös dürfen sich die Enkel wieder etwas wünschen.

Spielzeug gesucht

Kinderfahrräder und Bobbycars warten unterm Verkaufstisch, aus der Ferne ertönt Babygeschrei und mittendrin wird auf einer Parkbank gestillt. Nur die vielen Kinderwagen passen nicht gut zwischen die Stände. Stau am Stausee!

Der Flohmarkt in Heveney lässt auch Geschäftsideen sprudeln. Manche Mütter nähen Lederschlappen selbst, die sie nun hier anbieten. Andere haben selbst gefertigte Schnullerbänder im Programm. Und Simone Butzek lächelt hinter quietschebunten Halstüchern. „Ich habe einen zehn Monate alten Sohn“, erzählt sie. „Und ich finde, für Jungs gibt es so wenig schöne Sachen. Immer nur Einfarbiges, Kinder sollten sich bunt anziehen!“ Wenn ihr Filius schläft, setzt sie sich an die Nähmaschine. Und wenn wieder eine Ladung Halstücher fertig ist, fährt sie damit zum Stausee. Inzwischen allerdings haben sich etliche Tücher mit rosa Blümchenmuster dazwischen gemogelt. „So kann ich meine Mädchenträume verwirklichen.“

1994 wollte die Freizeitzentrum Kemnade GmbH mit dem Markt den See beleben – denn dienstags herrschte tote Hose. Drei Jahre standen spärliche drei, vier Tische am Ufer, erinnert sich Veranstalter Bernd Schlacht. „Dann ging das auf einmal los.“

Aus dem Internet auf den Tisch

„Vor 15 Jahren habe ich hier die Anziehsachen meiner Kinder angeboten. Irgendwann hat man mitbekommen, was wirklich gesucht wird“, berichtet eine Mutter. Inzwischen besorgt sie sich Spielzeug bei Auktionen im Internet und verkauft es erneut.

Man lernt: Was gut geht, heißt Lego oder Duplo, sind Holz-Eisenbahnen, Playmobil und Kinderbücher. Was nicht gut geht, sind Bodys in Größe 56, die haben sie alle im Programm. Am besten aber geht offensichtlich Pommes mit Mayo. Wobei: Das dürfen die Kinder natürlich nicht mitkriegen. Die sollen doch an ökologisch unbedenklichen Dinkelstangen lullern.

Susanne Schild


Kommentare
16.10.2012
09:19
Wühlen erwünscht
von aennirot | #1

Die so locker kommentierten "Geschäftsideen" der Frauen sind gewerbeanmeldepflichtig. Sobald man auf einem Flohmarkt Neuware oder angekaufte Ware zum Zwecke des Weiterverkaufs ankauft, ist man Gewerbetreibender mit Steuerpflicht. Auf einem Flohmarkt, auf dem nur private Verkäufer zugelasasen sind, gehört soetwas nicht hin. Das Ordnungsamt sollte hier einmal Kontrollen durchführen.

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