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Grüne Werkstatt

Wolfspinnen jagen, Weberknechte wippen

16.09.2012 | 17:02 Uhr
Wolfspinnen jagen, Weberknechte wippen
Sofia zuckt nicht mit der Wimper. Sie nimmt die künstliche Tarantel – das Tier gibt es in unseren Breitengraden nicht – unter die Lupe.Foto:Jan DinterFoto: Jan Dinter

Hattingen.   Ihre Beute beschaffen sich Spinnen auf unterschiedliche Weise: Einige greifen an, andere warten ab

Glitzernde Seide im Sonnenlicht oder acht haarige Beine in der Dunkelheit: Spinnen, man kann sie lieben oder hassen. Wie man sich auch entscheidet, interessant sind diese besonderen Wesen auf jeden Fall. Birgit Ehses führte bei der Aktion „Grüne Werkstatt“ über das Außengelände des Industriemuseums zu den unzähligen Netzen und informierte die Besucher sowohl über den außergewöhnlichen Tastsinn, als auch über die wachsende Faulheit der Spinnen im Alter.

Jagen und Netze spinnen

„Wenn Spinnen noch jung sind, bauen sie ihr Netz sehr ordentlich; je älter sie aber werden, desto nachlässiger werden sie, dann spinnen sie das Netz zack-zack“, erklärt Birgit Ehses. „Eine Kreuzspinne schafft ihr Rundnetz in etwa einer Stunde.“ Allerdings baut nicht jede Art ein Netz. Der neunjährige Nicolas weiß das: „Es gibt auch Jagdspinnen, die auf dem Boden herumlaufen und ihre Beute fangen.“ Da gibt es zum Beispiel die Wolfsspinne. „Sie springen auf Ameisen oder kleine Käfer“, so Birgit Ehses. „Mit ihrem Tastsinn können sie kleine Erschütterungen gut wahrnehmen. Mit ihren meist acht Augen können Spinnen hingegen schlecht sehen. Auch Geräusche hören sich nur gering.“

Sie spucken Verdauungssaft

Zitterspinnen oder Weberknechte zittern und wippen – wie der Name schon verrät – in ihren Netzen, um sich vor Feinden zu schützen. „Sie sitzen in ihren Netzen und versuchen durch die schnellen Bewegungen mit dem Netz zu verschwimmen, unsichtbar zu werden. „Männchen müssen sich auch vor Weibchen schützen, weil Männchen meist kleiner sind und von den Weibchen aufgefressen werden können“, so Birgit Ehses, „Spinnen haben kein Gebiss, sie können nicht richtig beißen, stattdessen bespucken sie Fliegen oder eben andere Spinnen mit Verdauungssaft und saugen sie aus.“ Dann bleibt nur noch das Skelett hängen.

Der Name „Altweibersommer“

„Wisst ihr, woher der Name ,Altweibersommer’ kommt?“, fragt Birgit Ehses und klärt auf: „Jetzt im Spätsommer sieht man viele junge Spinnen durch die Luft fliegen. Nachdem sie aus den Eiern geschlüpft sind, trennen sie sich von ihre Mutter und den Geschwistern und lassen sich vom Wind in andere Gebiete wehen, um dort zu leben. Wenn sie mit ihren langen Fäden durch die Luft wehen, sieht es so aus, als würden graue, silberne Haare – von alten Weibern – umher fliegen.“

Das Gift der Spinnen

„Auf der Welt gibt es zurzeit etwa 30 000 Spinnenarten, in Mitteleuropa rund 800“, so Birgit Ehses. „In Deutschland leben in der Regel keine Spinnen, die für Menschen gefährlich sind. Die Spinnen hier haben zwar Gift, aber das ist für uns Menschen zu gering, es schadet uns nicht.“ Die meisten Spinnen leben einen Jahreszyklus. „Manche Arten jedoch viel länger, Vogelspinnen können älter als zwanzig Jahre werden, und auch die meist gehassten Hauswinkelspinnen können rund zehn Jahre alt werden, wenn sie in einer geschützten Ecke im Haus leben.“

Die Vogelspinne Gruselda

Nicolas liebt Spinnen. „Ich kenne Spinnenarten besser als meine Hosentasche“, sagt der Neunjährige. Mit Lupe und Glas kriecht er durchs Gebüsch, sucht Weberknechte oder Kreuzspinnen, um sie zu beobachten. Zu Hause hat er eine Vogelspinne. „Sie heißt Spinni, meine Mama nennt sie aber immer Gruselda“, erzählt er, während er unter Steine guckt. Dann schreit er plötzlich laut auf. „Iiiih“, er lässt den Stein fallen. „Iiiih – da sind Ameisen!“

Lene Lemmer


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