Wohnimmobilien sind in Hattingen Mangelware

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Was wir bereits wissen
Aufgrund des geringen Angebots sind die Preise in Hattingen stark gestiegen. Im Vorjahr wurden laut der LBS vor allem Häuser in schlechteren Lagen verkauft.

Hattingen..  Der Preisanstieg für Immobilien ist auch in Hattingen ungebrochen, auch wenn eine jüngst veröffentlichte LBS-Studie auf den ersten Blick eine andere Sprache spricht. Hiernach haben sich die Immobilienpreise in Hattingen in den vergangenen zwölf Monaten höchst unterschiedlich entwickelt. Während die Preise für neue Wohnungen um satte 13 Prozent gestiegen sind, ist der Hauskauf im gleichen Zeitraum sogar günstiger geworden.

So mussten Eigenheim-Käufer drei Prozent weniger zahlen als noch ein Jahr zuvor, wie aus der Jahresanalyse der LBS-Studie „Markt für Wohnimmobilien 2015“ hervorgeht. „Das liegt daran, dass in Hattingen deutlich weniger Häuser mit einer privilegierten Lage verkauft worden sind und auf der anderen Seite eben mehr Objekte in Normallage zu haben waren“, verrät LBS-Pressesprecher Curt Brüning. Grundsätzlich könne man von einer jährlichen Immobilien-Teuerungsrate von vier bis fünf Prozent ausgehen.

Bebaubare Flächen fehlen

Die Nachfrage nach Eigentum sei in Hattingen offenbar besonders groß. So liege die Stadt aufgrund ihrer Naturnähe hoch im Kurs, weiß der Sprecher. „Alle Städte suchen nach Brachflächen, wo sie noch Neubaugebiete entstehen lassen können“, verweist Brüning auf die problematische Marktsituation. „Bebaubare Flächen sind in Hattingen fast gar nicht vorhanden“, bestätigt Philipp.

Der Bauflächenmangel schlägt sich auf die Entwicklung der Grundstückspreise nieder. So stiegen die Preise für erschlossene Baugrundstücke laut LBS im Vorjahr um satte neun Prozent auf nun durchschnittlich 240 Euro pro Quadratmeter. Die Bandbreite reicht dabei von 170 bis 280 Euro. „Seit der Euro-Einführung haben sich die Preise sogar verdoppelt“, rechnet Philipp vor.

In Hattingen sind die Kaufpreise für Häuser regelrecht explodiert und auch im Vorjahr weiter angestiegen, sind sich Thomas Klein, Geschäftsführer von Haus und Grund, sowie Maklerin Brigitte Philipp einig. „Die Marktsituation ist schlecht, weshalb die Preise weiter ins Unendliche steigen“, erklärt Philipp, dass viele Objekte überteuert angeboten werden. „Vor allem junge Familien können sich das kaum noch leisten“, bedauert die Maklerin und ergänzt, dass Verkäufer den Angebotsmangel vielfach ausreizen würden. „Da wird zum Teil richtig hoch gepokert, obwohl bei vielen Altbauten Reparaturstaus vorliegen“, weiß Philipp.

„Die aktuelle Phase steigender Immobilienpreise liegt hauptsächlich am niedrigen Zinsniveau, weil jetzt viele die Chance eines günstigen Darlehens nutzen wollen. Und das führt zum Unterangebot“, begründet Thomas Klein die Marktsituation. „Wenn die Zinsen wieder steigen, führt das auch dazu, dass die Preise fallen. Denn dann geht die Nachfrage zurück“, prognostiziert er und verrät, dass dies seit zwei oder drei Monaten sogar erstmals seit langem wieder der Fall sei.