Wo Jäger wie Olympia-Athleten trainieren

Thomas Sieglitz zielt auf die Leinwand. Sein Schuss kann danach genau analysiert werden.
Thomas Sieglitz zielt auf die Leinwand. Sein Schuss kann danach genau analysiert werden.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Gewerbegebiet Ludwigstal eröffnete Thomas Stieglitz seine Indoor-Video-Schießanlage. Jeder Schuss kann hier anhand von Flugbahn, Entfernung und Bewegungsanalyse genau untersucht werden.

Hattingen..  Mit einem lauten „Ho“ rennt das Widschwein aus dem Gebüsch: In einer alten Squash-Trainingshalle betreibt Hobby-Jäger Thomas Stieglitz seit kurzem seine Indoor-Video-Schießtrainings-Anlage.Und schon beim Betreten fühlt man sich mit der liebevoll dekorierten Sitzgruppe, Tarnnetzen, rustikalen Möbeln und einem selbstgebauten Schießstand direkt in eine Jagdhütte versetzt.

„Wir benutzen hier den MARKSMAN ST-2 Simulator aus Schweden. Diese Anlage verwenden auch Olympia-Athleten wie Skeetschützin Danka Bartekova für ihr Training“, erklärt Stieglitz.

Auf einer Projektionsfläche von etwa dreieinhalb mal acht Metern werden typische Jagd-Situationen simuliert. Die Jäger können ihre Reaktion und ihre Zielsicherheit unter verschiedenen Gegebenheiten testen. Um das Erlebnis für den Sportler noch echter zu machen, kaufte Stieglitz extra eine spezielle Kinoleinwand und zwei Beamer, die das Bild in High Definition auf die Wand projizieren.

So sehen der Hirsch, der auf der Leinwand in einem Waldstück steht, oder das Kaninchen, das durch die eisige Winterlandschaft hoppelt, besonders echt aus. Insgesamt lassen sich mit der Anlage alle denkbaren Szenerien einstellen: So kann man zum Beispiel wahlweise auf einem großen Feld im Münsterland oder auch an einer Waldschneise in Schweden Jagd auf Wildschweine machen.

„Eines der ersten Dinge, die man als Jäger lernt, ist, sich nicht zu überschätzen und die Tiere, die eine wertvolle Rohstoffquelle darstellen, so womöglich krank zu schießen.“ Auch deswegen kann in der Anlage jeder Schuss anhand von Flugbahn, Entfernung und Bewegungsanalyse genau untersucht werden.

„Auf der Jagd oder auf dem Schießstand merkt man nur: „Ich habe vorbeigeschossen. Mit dem Simulator können Schützen aber genau nachvollziehen, wo und warum sie nicht getroffen haben“, so Stieglitz, der eigentlich als Jurist und Betriebswirt arbeitet.

Thomas Stieglitz hat sich mit der Anlage einen großen Wunsch erfüllt und möchte Jagdsportlern hiermit eine ernsthafte Alternative bieten. „Mir ist es sehr wichtig, dass die Leute nicht denken, ich betreibe hier einer „Balleranlage“ oder ähnliches“, betont er. „Mir geht es hier wirklich um seriöses Training und eine ganzheitliche Ausbildung von Sportschützen.“

Schießen mit eigener Waffe möglich

Mit seiner Schießanlage in Hattingen ist Thomas Stieglitz allein auf weiter Flur. „Die nächste derartige Anlage befindet sich erst wieder in 250 Kilometer Entfernung.“ Hobbyjäger müssten so immer einige Kilometer fahren, um zu üben.

Sportler können ihre eigene Waffe, sei es Flinte, Büchse oder Kurzwaffe, selbstverständlich ohne scharfe Munition – mitbringen. Zur Schonung der Abzugsmechanik werden Pufferpatronen benutzt. Für Anfänger werden Leihwaffen zur Verfügung gestellt. Die entsprechende Kamera wird an der Flinte gefestigt. Sie ist besonders leicht, um die Haptik der Waffe zu erhalten.

Übrigens: Nicht nur erfahrene Sportschützen, auch sonstige Interessierte sind in der Schießanlage von Thomas Stieglitz willkommen. Eine Stunde betreute Nutzung kostet 96 Euro, unabhängig von der Anzahl der Besucher. „Um ein effektives Training zu gewährleisten sollten die Gruppen aber nicht mehr als drei Personen umfassen“, so Stieglitz