Wo der Bürgermeister „Alle meine Entchen“ spielt

Hattingen..  Es gab dem Glockenturm seinen Namen: das im Jahr 1958 von Generalkonsul Leo Gottwald gestiftete Glockenspiel. An einem Sonntag, kurz vor Mittag, erklang es das erste Mal. Gottwald selbst spielte ein Präludium, „Am Brunnen vor dem Tore“ und mehr.

25 Glocken aus Stahl mit einem Gesamtgewicht von 16 000 Kilogramm hängen im Glockenstuhl. „Glocken aus Bronze klingen besser, aber Stahl passt besser in die Region. Das ist der Klang der Region“, sagt Peter Siepermann, der das Glockenspiel seit 16 Jahren bedient.

1999 war es renoviert worden. Die alte mechanische Technik war durch computergesteuerte ersetzt worden. Rund 60 000 D-Mark hatte die Stadt dafür veranschlagt. Allerdings: Die erhoffte Unterstützung vom Land gab es nicht, denn nicht das Glockenspiel, sondern nur der Turm stünde unter Denkmalschutz. Finanzielle Hilfe gab es dafür vom Seniorenkreis WiR, der gesammelt hatte. So konnte Bürgermeister Liebig das überarbeitete Glockenspiel im August 1999 offiziell einweihen – mit dem von ihm zum Besten gegebenen „Alle meine Entchen“.

Jahrzehntelang hatte zuvor Walter Schulte die Glocken angeschlagen. Seit 1982 ließ er die Glocken auch zum Auftakt des Altstadtfestes erklingen. Außerdem spielte er in der Weihnachtszeit täglich und holte sich im zugigen Turm kalte Finger. Für Ministerpräsident Johannes Rau spielte er „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“. Für Bundespräsident Roman Herzog erklang das Steigerlied. „Da sagte Rau, dass das Stück schöner war, das ich für ihn gespielt hatte“, erzählt Schulte lächelnd.

Das Steigerlied übrigens gehört auch für Schultes Nachfolger Peter Siepermann unbedingt ins Repertoire: „Da bestehe ich drauf.“ Dabei ist es gar nicht leicht, den Hattinger Glocken harmonische Klänge zu entlocken. „Es ist ein Glockenspiel im Umbruch“, erklärt Siepermann. Weil die meisten Glocken inzwischen von außen angeschlagen werden und so deutlich schneller reagieren als die, in denen noch der Klöppel schwingt, muss er etwas zeitversetzt spielen.

„Man muss das Instrument kennen, um es spielen zu können“, sagt er. „Aber man wächst mit seinen Herausforderungen.“ Inzwischen seien er und das Glockenspiel Freunde geworden. Ganz im Gegensatz zu einem Gastspieler aus München. „Ein exzellenter Glockenspieler“, wie Siepermann betont. In Hattingen aber, da hatte der Kollege in der Mitte des Stücks aufgegeben.