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Lärchenweg

„Wir hausen hier“

19.08.2010 | 17:57 Uhr
„Wir hausen hier“
Unter einem Loch in der Decke des Treppenhauses im Haus Lärchenweg 9: Dennis Schmidt, Mandy Müller, Gertrud Simon, Erna-Maria Müller und Iris Schmidt (v.li.).

Hattingen. Die Mieter der Deutschen Annington sind wütend und hilflos: Sie leben am Lärchenweg mit Schimmel und Setzrissen.

Der Balkon in der ersten Etage hat feuchte Stellen. In der Mauer klaffen dicke Risse. Von oben tropft es. Erna-Maria Müller sitzt draußen und klagt: „Wir werden für blöd verkauft.“ Die 49-Jährige ist vor einem Jahr mit ihrer Tochter in die Wohnung der Deutschen Annington an den Lärchenweg gezogen.

23 Wohnungen gehören zur Hausnummer 9. Die Liste der Mängel ist lang. Das marode Fenster im Waschkeller und die Flurreinigung nur alle 14 Tage sind die kleineren Sorgen der Mieter. Wirklich erdrückend sind die Heizkosten. Immerhin seien die Häuser aus den 70ern. Und es sei nie etwas gemacht worden, klagen sie. Sanierungsstau. Nach dem vergangenen Winter habe die Annington ihnen mitgeteilt, es seien Messröhrchen der Heizungen verloren gegangen. Der Verbrauch wurde zum Teil geschätzt: Es hagelte für viele Nachzahlungen. Was die Kosten auch nach oben treibt: Die langen Hausflure sind übersät mit Heizkörpern, sagt Erna-Maria Müller. Dabei sei eine Außendämmung notwendig: Diese fordern die Mieter nun im Anschreiben an die Annington. Und neue Bänke auf den Grünflächen statt der alten verrotteten. „Der Garten wird nur einmal im Jahr gepflegt“, sagt Erna-Maria-Müller und zeigt auf die wuchernden Brombeerhecken. Vor dem Haus parken Autos den Bürgersteig zu, so dass Gertrud Simon (82) mit ihrem Rollator nicht vorbeipasst: „Da muss ein Parkverbots-Schild hin.“ Sie wohnt knapp 18 Jahre im Haus.

„In den letzten drei Jahren wurden die Flachdächer erneuert, es gab neue Haustüren und Fenster,“ entgegnet Katja Weisker, Sprecherin der Deutschen Annington. Reparaturen laufen immer. An der Außenfassade sei aber nichts geplant: „Das würde sich auch auf die Miete niederschlagen“.

Zu den Reparaturen fällt Gertrud Simon nur ein: „Hier wird nur geflickt.“ Neue Fenster gab es: „Die kamen erst, nachdem ich zur Zeitung gegangen bin.“ Bei den alten, undichten und einfachverglasten lief innen das Wasser herunter, erzählt sie. Auch bei ihr bahne sich ein Schimmelproblem an. Die Wohnung vom Nachbarn sei feucht gewesen. Vergangenen Sonntag stand dann der Keller wieder unter Wasser. Gertrud Simon hat die Service-Nummer gewählt: „Immer wieder musste ich Tasten drücken, bis ich in Berlin gelandet bin.“ Immerhin kam jemand.

So wie im vergangenen Jahr wegen der Setzrisse in den Wänden. Bedrohlich wirken die Schäden in den Hausfluren. Im Treppenhaus bröckelt die Decke. „Hier verschiebt sich das ganze Haus“, fürchtet Erna-Maria Müller. Hinter die Rigipswand im Schlafzimmer will sie lieber nicht schauen: „Ich will nicht mit Schimmel leben.“

Genau das tut Iris Schmidt mit ihrem Mann und den beiden Kindern bereits seit 15 Jahren. „Es kam mal jemand zum Messen“, erzählt sie. Der habe keine Feuchtigkeit festgestellt. Nur, dass sie falsch lüften. „Das Übliche“, sagt die Mutter kopfschüttelnd. Sie bekamen eine Dämmplatte. Das verzögere das eigentliche Problem nur, sagte ihnen der Handwerker damals. Jedes Jahr werde es schlimmer. Die Möbel verschimmeln. Sie benutzen jetzt Schimmel-Ex.

„Wir sind wütend und so hilflos“, sagt sie. Ihre Tochter leidet im Winter an Reizhusten. Am Lärchenweg will sich heute ein Mitarbeiter der Deutschen Annington vom Zustand überzeugen. Erna-Maria Müller bleibt skeptisch: „Die letzten zwei Termine haben sie abgesagt.“

Dominika Sagan

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Kommentare
20.08.2010
13:20
„Wir hausen hier“
von Karl A. | #8

@ElmosWelt: Die Erfahrungen, die ich mit privaten Vermietern gemacht habe, sind leider keine anderen, die ich bei Wohngesellschaften gemacht habe: Immer nur kassieren, aber nichts Investieren. Warum nehmen Vermieter soviel Geld, obwohl diese kaum eigene Kosten haben? Steuern, Versicherungen und Betriebskosten übernimmt der Mieter (Nebenkosten).
Für mich kommt nur noch Wohneigentum in Frage. Es wäre natürlich schön, wenn Sie in jedem Fall recht hätten, aber leider ist dem nicht so.

@Fragender?! (und an alle):
Umziehen kommt wohl nicht für jeden in Frage, da ein Umzug sehr teuer. Davon abgesehen muss man auch eine geeignete Wohnung finden, und dann noch zu einem angemessenen Preis. Was heutzutage an Mieten verlangt wird, ist unglaublich. Das eigentlich Problem daran ist, dass sich immer Leute finden, die bereit sind, so hohe Mieten zu zahlen. Da müsste man mal den Vermietern die rote Karte zeigne.

20.08.2010
10:35
„Wir hausen hier“
von Erna-Maria Müller | #7

private Kleinvermieter nehmen nicht so gerne Familien mit Kinder,,leider

20.08.2010
10:26
„Wir hausen hier“
von Erna-Maria Müller | #6

Wenn alle Mieter einer solchen Gesellschaft,sich mal richtig zu wehr setzen würden,sehe die Sache ganz anders aus,aber viele haben Angst,oder gehandycapt,,Es müßte eine schwarze Liste geben für solche Wohnungsgesellschaften,,

20.08.2010
10:07
„Wir hausen hier“
von ElmosWelt | #5

@Fragender:
Schon mal daran gedacht, dass Umzüge mit Familen eine Menge Geld kosten?!

Das geht nicht so einfach wie der Umzug eines Singles!

Vermieter haben auch eine Pflicht gegenüber den Mietern! (Genauso wie auch andersherum!)

Aber aus Erfahrung weiß ich, dass ich nie in eine Mietwohnung einer Vermietergesellschaft ziehen würde. Ich würde auch wegen solcher Meldungen immer private bzw. Kleinvermieter bevorzugen, da die andere Interessen verfolgen:
Große Gesellschaft sind am Gewinn orientiert und wollen die Immobilie ausquetschen wie eine Zitrone. Nachdem man sie ausgelutscht hat, wird sie abgestoßen. Jede Investition verringert den Reingewinn.
Private / kleine Anleger halten sich solche Wohnungen hingegen als Kapitalanlage, da ist man IMMER darum bemüht, die Immobilie in einem tadellosen Zustand zu halten.

Naja, aber da ich nun in einer Eigentumswohnung wohne, hat sich das Problem für mich zum Glück erledigt...

20.08.2010
08:21
„Wir hausen hier“
von Fragender?! | #4

Was halten Sie von Kündigen und umziehen? Das ist doch ihr gutes Recht als Mieter. Wohnungen gibt es in Hattingen doch mehr als genug.

Ich würde nicht so lange in solchen Umständen wohnen, erst recht nicht wenn der Vermieter sich so desinteressiert gibt!

20.08.2010
06:41
„Wir hausen hier“
von Argus | #3

Die Deutsche Annington gehört abgeschafft! Überall häufen sich Klagen über dieses schändliche Unternehmen.

19.08.2010
21:43
Blockierter Kommentar.
von Andreas1203 | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.08.2010
21:12
„Wir hausen hier“
von Ein Hattinger | #1

Wir wohnten Mitte der 70´ bis ende der 80´im Lärchenweg 5, schon damals mussten wir selber die aussenwände von innen isolieren, weil sie immer kalt-nass waren und lauter Risse in den Aussenwänden. Und wir waren ein Jahr nachdem die Häuser gebaut wurden dort eingezogen. Pfusch am Bau von anfang an!

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