Willkürjustiz prägt das Leben der Bauern

Jan Zweyer
Jan Zweyer
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Was wir bereits wissen
Jan Zweyer las im Alten Rathaus aus dem ersten Band seiner Trilogie, die auch in Hattingen spielt.

Hattingen..  Einen großen historischen Roman, der zum Teil in Hattingen und Umgebung spielt, hat der Herner Autor Jan Zweyer jetzt vorgelegt: Am Dienstagabend las er im Alten Rathaus aus dem ersten Teil „Das Mündel“ seiner Trilogie „Das Haus der grauen Mönche“; die Teile „Freund und Feind“ und „Im Dienst der Hanse“ erscheinen noch.

Vorher konnten sich die Besucher der Premierenlesung bei einer historischen Stadtführung in die Zeit des Romans, der von 1498 bis etwa 1520 spielt, einführen lassen. Stadtführer Arno Tacke, im schwarzen Dreispitzhut und Habit mit Hellebarde, erläuterte mit vielen anschaulichen Details das spätmittelalterliche Leben rund um die Kirche St. Georg. Der Platz, an dem früher das Haus der weißen Mönche stand, auf die Zweyers Roman Bezug nimmt, ist umstritten; vermutlich lag er neben einer etwa 400 Jahre alten Apotheke, wo sich heute das Altstadtstudio befindet. Mittelalterliche Toiletten, Gemächt genannt, nach außen klappbare Fensterläden, die auch als Warenauslage für in Hattingen gewebte Tuche dienten, sowie die Orte der beiden Märkte rund um die Georgs-Kirche und die alten westfälischen Fachwerkhäuser, unter denen sich das Alte Rathaus auf dem Fundament einer Fleischhalle und die erste Sparkasse befindet, runden das anschauliche Panorama ab.

Jan Zweyers Lesung bezieht sich auf die Umstände der Geburt seines Helden Jorge: Seine Eltern, die freien Bauern Linnhardt und Ursell, fallen einer Intrige des Herzogs Johann II von Kleve zum Opfer: Sie wollen eine Wiese nicht verkaufen, die er braucht, um einen Kredit von den Benediktinern zu erlangen, deren wachsender Einfluss in seinem Herrschaftsgebiet ihm schon lange ein Dorn im Auge ist. Zweyer beschreibt das von Willkürjustiz und den starren Regeln der Ständegesellschaft geprägte Leben der Bauern, zu dem er ausführliche Recherchen und Quellenstudien, unter anderem im Hattinger Stadtarchiv, betrieben hat. „Nach Krimis wollte ich einen Mittelalterroman schreiben und ich will die Geschichte dieser Familie weitererzählen,“ sagt Zweyer. Literarische Vorbilder hat er nicht: „Meine Zuneigung zu Autoren wechselt, ich mache mir vorher keinen detaillierten dramaturgischen Plan.“