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Kirchen-Ausstellung

Wie Kunst mit Grauen umgeht

24.01.2010 | 15:57 Uhr

Ausweichen ist fast unmöglich. Die Augen in den ausgemergelten Gesichtern der Musikerinnen schauen traurig, erschöpft und manche auch konzentriert. Die Augen der Betrachter blicken auf das Großgemälde „Das Frauenorchester von Auschwitz”.

Der „Runde Tisch Kultur Niederwenigern” hat das Werk von Michael Görler und der Malklasse der Volkshochschule im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 in die Kirche St. Mauritius nach Niederwenigern geholt.

Die Ausmaße von acht mal drei Metern sind für einige Besucher allein schon beeindruckend. Doch es sind die vielen Facetten der Frauen, die für das Interesse der 35 Besucher sorgen. Viele äußern sich positiv, sprechen von einem starken Bild, das auch zum Gedächtnistag des von den Nationalsozialisten ermordeten Nikolaus Groß am 23. Januar 1945 passe. Und auch zur Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945.

Die zehn Frauen der Malklasse haben am Gemälde etwa eineinhalb Jahre mit Ölfarben gemalt. „Wir haben für die Frauen im Orchester eher kühle Farben verwendet”, erzählt Angelika Mußhoff. Die blassblauen gestreiften Sträflingskleider lassen die Frauen geordnet und trist erscheinen. Entworfen hat das Kunstwerk Michael Görler, der bei der Eröffnung nicht anwesend sein konnte. „Das Schwierigste war zu Beginn die weiße Leinwand und der Respekt davor”, sagt Angelika Mußhoff, die seit 15 Jahren malt.

Im Hintergrund des Bildes laufen violette Schemen ohne Gesicht auf die Gaskammern im Vernichtungslager zu. Ein mehrfacher Kontrast. Die Farbe leuchtet und die Frauen bleiben im Vergleich zu denen im Orchester anonym. Damit greifen die Künstler den historischen Hintergrund auf: Das Orchester spielte, während die SS Menschen selektierte, die Häftlinge ein- und ausmarschierten, auf dem Weg zu Arbeit. Letztlich um die Gefangenen leichter zu zählen.

„Ich möchte keine Interpretation wagen und die Gefühle nicht versachlichen und verflachen”, sagt Heidi Pamp vom Runden Tisch. Für sie ist das Kunstwerk auch ein Zeichen gegen Stimmen, die sich für einen Schlussstrich unter das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte aussprechen. „Wir dürfen nicht vergessen”, sagt sie.

Timo Klippstein

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