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Wie bunt darf Inklusion sein?

08.09.2012 | 08:00 Uhr
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Wie bunt darf Inklusion sein?
Welches Kind besucht welche Schule: In Hattingen ist Inklusion in der Diskussion.Foto: Archiv, Jens Stubbe,WP-BILD

Hattingen.   Diskussion über die Förderschulen berührt das komplette Schulsystem

Für den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung Hubert Hüppe strotzt der Film „Gemeinsam anders“ vor Klischees. Dabei bildet er mit der hochintelligenten, aber renitenten Steffi im Rollstuhl und dem geistig behinderten Paul in einer neunten Gesamtschulklasse längst nicht die ganze Realität ab, die man sich beim Thema Inklusion vorstellen könnte. Denkbar die Situation: Einem Schüler mit Realschulempfehlung wird der Eintritt ins Gymnasium verweigert, ein geistig behindertes Kind muss dagegen aufgenommen werden.

Diskutiert wurde darüber auch in der Veranstaltung „Inklusion und die Auswirkungen auf die Hattinger Schullandschaft“ auf Einladung der Grünen/FWI. Inklusion sieht Heterogenität und Vielfalt als Normalzustand. Für Schulministerin Sylvia Löhrmann ist sie Ausdruck einer humanen Gesellschaft, die Verschiedenheit anerkennt. Braucht man dann überhaupt noch eine Förderschule? Sowohl deren Leiter Bernd Leven als auch Stefan Kietz-Borgwardt von den Grüne/FWI, der sich für einen Umzug in die leere Hauptschule stark gemacht hat, bejahen die Frage.

Nach Ansicht der Grünen/FWI darf der Umzug nicht verzögert werden, „die Politik aus Spargründen nicht auf Zeit spielen nach Jahrzehnten des Wartens auf bessere räumliche Bedingungen für die angemessene Förderung von Kindern“. Schlecht abschätzbar sei das Wahlverhalten der Eltern, ein Rücklauf wahrscheinlich nach einer ersten Phase zur Regelschule.

Bernd Leven beruft sich auf das Gutachten von Prof. Klemm, wonach auch in zehn Jahren noch 50 Kinder für die Förderschule übrig blieben. Er stellt sich vor, die sonderpädagogischen Kompetenzen vor Ort am Hauptschulstandort in einem Pool zu bündeln und etwa bei der Betreuung mit der Bruchfeldschule zu kooperieren, die Räume brauche. Inklusion ist seiner Ansicht nach eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die viel Zeit und Geld kostet, vernünftig zielorientiert geplant werden muss und mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden ist. Inklusion dürfe nicht so vonstatten gehen wie im vorletzten Jahr in Dortmund, wo ein Gymnasium einige Wochen vor den Sommerferien erfuhr, dass es Lernbehinderte aufnehmen muss.

Inklusion läuft manchmal auch an den Interessen der Beteiligten vorbei. Habe es mit einer geistig behinderten Gymnasiastin in Kunst und Sport gut geklappt, saß das Mädchen in Deutsch oder Mathe ganz hinten, schildert Leven ein Beispiel. War eine gute Schülerin fertig, musste sie helfen – was beide Mädchen nicht wollten. Schließlich wirft er die Frage auf, ob das mehrfach gegliederte Schulsystem nicht Luxus ist und Gegenteil von Inklusion: Wer die Leistung nicht bringt, wird abgeschult.

Brigitte Ulitschka

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