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Wenn die Hoffnung fehlt

26.01.2012 | 17:08 Uhr
Wenn die Hoffnung fehlt
Foto:Tom Thöne

Hattingen.  Depressionen sind nicht nur in der dunklen Jahreszeit ein Thema. Das Altstadtgespräch klärte auf.

Statistisch betrachtet ist jeder fünfte Deutsche schon einmal in seinem Leben an einer Depression erkrankt. Im Schnitt werfen sich vier Menschen in Deutschland jeden Tag vor einen Zug, um ihr Leben zu beenden. Tun dies Prominente wie etwa Fußball-Torwart Robert Enke, wird das bedrückende Thema öffentlich. Wahr ist allerdings auch: Nur drei von 100 Patienten bekommen angemessene Behandlung und Therapie. Das Thema Depression berührt viele. Entsprechend voll war es beim ersten Altstadtgespräch 2012 des Netzwerks „Med in Hattingen“ im Alten Rathaus.

Depressive Störungen können sich sehr unterschiedlich darstellen. Das Erscheinungsbild reicht von begrenzten depressiven Verstimmungen bis zu ausgeprägten, zeitlich überdauernden psychischen und psychosomatischen Symptomen wie negativem Denken, Hoffnungslosigkeit, Interessenverlust und Freudlosigkeit, geringes Selbstwertgefühl, Antriebsmangel und der Unfähigkeit, positive Ereignisse entsprechend wahrzunehmen.

„Oft zeichnet sich eine Depression zuerst durch körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit aus“, erklärt Dr. Margareta Meisel, Fachärztin für Neurologie und Psychotherapie. Manchmal lasse sich die Frage nach Auslösern, unter denen sich das Problem entwickelt hat, im konkreten Einzelfall relativ gut beantworten. So könnten Trauer, Einsamkeit, Beziehungsprobleme, schicksalhafte Lebensereignisse, berufliche Belastungen, körperliche Erkrankungen oder eine sehr belastete Kindheit eine zentrale Rolle spielen. Mitunter jedoch blieben die Zusammenhänge schwer nachvollziehbar. Worüber sich die Fachleute einig sind: dass es sich bei dem Störungsbild um ein komplexes Zusammenspiel gesellschaftlicher, sozialer, psychischer und neurobiologischer Faktoren handelt.

„Einem erkrankten Partner sollte man Unterstützung entgegenbringen, dabei die eigenen Bedürfnisse jedoch nicht unter den Teppich kehren“, so Klaus Beyerle, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut. „Es ist wichtig, den Schritt nach draußen zu wagen und den Partner langsam aus der Ohnmacht und Antriebslosigkeit zurück ins Leben holen.“ Helfen könne auch, sich vor der Familie und Freunden zur Erkrankung zu bekennen. „Wenn man merkt, dass man mit der Depression nicht allein gelassen wird, ist es leichter, sich dieser zu stellen“, weiß Dr. Thomas Zeit, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im St.-Elisabeth-Krankenhaus in Niederwenigern. Vorbeugen kann man Depressionen nicht. Für Nachbehandlungen gibt es Selbsthilfegruppen. Sie können Patienten davor bewahren, den neu gewonnen Boden unter den Füßen wieder zu verlieren.

Annalena Rey

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