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Welperaner sponsert den Weltmeister

04.09.2012 | 17:10 Uhr
Welperaner sponsert den Weltmeister
Dennis Flagmeyer aus Hattingen baut Fingerboards und führt Kunststücke damit vor.Foto: Udo Kreikenbohm

Hattingen.   Dennie Flagmeyer hat ein kurioses Hobby: Der 30-Jährige baut Fingerboards und exportiert sie in die ganze Welt.

Zeigefinger, Mittelfinger und ein spielzeuggroßes, aber voll funktionsfähiges, Skateboard. Das ist alles, was man braucht, um mit dem Fingerboarden anzufangen. „Wichtig ist, dass man mit zwei Fingern fährt“, erklärt Dennie Flagmeyer. „Der Mittelfinger ist dabei immer der hintere Fuß.“ Der 30-Jährige ist früher selbst bei vielen Contests, also Wettbewerben, mitgefahren. Heute ist er immer noch oft dabei, meist aber nicht mehr als Teilnehmer, sondern als Sponsor.
Inzwischen unterstützt Dennie Flagmeyer ein ganzes Team, in dem auch der aktuelle Weltmeister fährt, Valentin Leiber aus Schleswig-Holstein. Denn Dennie Flagmeyer ist Flaked, ein kleines Hattinger Unternehmen, das Fingerboards baut und in die ganze Welt verkauft. Seine Kunden leben unter anderem in Tschechien, Argentinien, Russland, Indonesien. In Indonesien hat er sogar extra einen Distributionsshop, weil es immer wieder Probleme mit der Post gab und die Fingerboards auf dem Weg zum Empfänger häufig verloren gingen. Kaufen kann man die kleinen Holzbretter aus Hattinger Produktion nicht nur im Internet, sondern auch in Skateboard-Läden und in Berlin-Friedrichshain in einem speziellen Fingerboard-Geschäft.

Handgefertigte Fingerboards

So bekannt sein Name in der Szene sei, genug Geld um sein Hobby zum Beruf zu machen, verdiene er nicht damit, so Flagmeyer: „Ich würde mir wünschen, dass ich davon leben könnte, aber von dem Gedanken habe ich mich verabschiedet, weil es viel zu viele Hersteller gibt. Der Markt ist einfach übersättigt“, so der Welperaner. Hauptberuflich arbeitet Flagmeyer als Lagerist. Zum Fingerboard bauen kommt er deshalb meist nur am Wochenende – und auch nur dann, wenn ihn die Familie nicht zu sehr einspannt. Seine Frau hat sich an sein Hobby gewöhnt, früher sei sie oft mitgekommen, wenn er mal wieder von einem Contest zum nächsten, quer durch Deutschland gereist sei. Doch inzwischen haben die beiden einen Sohn. Da steht das Hobby öfter hinten an.

Dennie Flagmeyer aus Hattingen baut Fingerboards.Foto: Udo Kreikenbohm

Ein bis zwei Stunden braucht Flagmeyer für ein Brett – gemeint ist damit tatsächlich nur das Brett. Ein Fingerboard besteht aus vier oder fünf Schichten Furnier, die gebeizt, verleimt und weiter bearbeitet werden. Auf die Unterseite kommt eine Grafik – wie beim richtigen Skateboard. Auch die Grafiken malt Flagmeyer selbst. Dann scannt er sie ein und druckt sie als Farbkopie aus. Zum Schluss wird das fertige Holzbrett lackiert und auf die Oberseite kommt eine Schicht Moosgummi, die das Griptape ersetzt, das beim Skateboard an dieser Stelle wäre.

9,7 Zentimeter lang, ca. 3 Zentimeter breit und etwa so dick wie der Rand eines 2-Cent-Stücks – das sind die Maße des fertigen Holzbretts. „Ich bin stolz darauf, dass alles hundert Prozent Handarbeit ist“, sagt der Fingerboard-Bauer über sein Werk. Zu kaufen gibt es das dann für etwa 30 Euro. Mit allem drum und dran: Brett, zwei Achsen, vier Rollen und den entsprechenden Schrauben und Muttern liegt der Gesamtpreis für das Mini-Sportgerät dann leicht zwischen 60 und 110 Euro. Die passenden Rollen kann man ebenfalls bei Flaked bestellen. Flagmeyer stellt sie nicht selbst her, sondern lässt sie von einem Hersteller in Luxemburg nach seinen Vorstellungen anfertigen. 20 Euro kosten vier Mini-Rollen, dafür seinen sie aber auch „die perfekte Kopie einer Skateboard-Rolle“.

Keine Spielerei

Kommt Dennie Flagmeyer neben Arbeit, Hobby und Familie selbst noch zum Fingerboarden? „Ich bin sehr viele Contest gefahren und war da guter Durchschnitt“, sagt er lachend, aber, schränkt er ein, „ich hab’ das Gefühl, je jünger man ist, desto flinker ist man.“ Worum geht es eigentlich beim Fingerboarden? Vor allem gehe es um Geschicklichkeit. Oft würde Fingerboarden als Spielerei abgetan. Als Spielerei sieht Fingerboarder Flagmeyer sein Hobby nicht: „Es gibt Leute, die malen in ihrer Freizeit World-of-Warcraft-Figuren an oder machen Modellbau. Ich mache eben die Tricks, die ich sonst auf dem Skateboard gemacht habe mit den Fingern nach.“ Drehungen bis zu 360 Grad seien in jedem Fall möglich, aber auch Drehungen bis etwa 450 Grad könne man hinbekommen. „Das schwierige ist, dass die Hand sich nicht unendlich drehen lässt“, erklärt der Welperaner. Und ein wirklich gutes Argument fürs Fingerboarden hat der 30-Jährige auch noch: „Skateboarden ist schwerer und kostet mehr Überwindung. Das einzige, was man sich beim Fingerboarden holen kann, ist eine Sehnenscheidenentzündung.“

Eine Skateboard-Verletzung war es übrigens, die Dennie Flagmeyer zum Fingerboarden brachte. Mit 17 Jahren brach er sich das Handgelenk. An skateboarden war da natürlich erst einmal nicht mehr zu denken. Zum Zeitvertreib kaufte Flagmeyer sich deshalb ein Tech-Deck (ein Vorläufer des heutigen Fingerboards) und begann damit zu fahren. 2003 schließlich, begann er seine ersten eigenen Bretter zu bauen.

Dinah Büssow

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