WAZ-Leserbeirat will Bürger bewegen

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Was wir bereits wissen
Mitglieder möchten Aktionen starten: Etwa gegen verdreckte Straßenschilder und Straßen – dabei soll nicht gemeckert, sondern angepackt werden.

Hattingen..  Meckern ist die Sache des neuen Leserbeirates der WAZ Hattingen, der erstmals zusammenkam, nicht. Seine Mitglieder wollen etwas bewegen, mitgestalten – und dafür andere gewinnen. Da kommt ihnen ihr Mandat bei der Tageszeitung gerade gut zupass.

„Wer ist denn die Stadt? Wir sind die Stadt“, findet Reinhard Birck. Ein neues Umweltbewusstsein, meint Albert Hille, braucht es. Und mehr Eigeninitiative, ergänzt Helga Renschke. Zum Beispiel hinsichtlich der Sauberkeit in der Stadt. „Viele Schilder sind kaum mehr lesbar, so verdreckt sind sie“, sagt Birck. Der Dreck auf dem Radweg in Sprockhövel ist Günter Dauben ein Dorn im Auge. Und Helga Renschke erzählt, dass sie in der Kiefernstraße ein Mal pro Woche selbst einen großen Sack Müll sammelt.

Verantwortlich für ihre direkte Umgebung müssten sich die Bürger fühlen, fordert Werner Krüsmann. Einigkeit herrschte darüber, dass über die Lokalzeitung sowohl die Problemstellen als auch die positiven Beispiele dargestellt werden sollen – verbunden mit dem Appell, sich zu beteiligen. Von unverschämten Kommentaren berichtet Hans Dieter Laurien: Er hatte einen Bürger, der etwas weggeschmissen und gleich neben dem Papierkorb fallen gelassen hatte, darauf aufmerksam gemacht – und erntete einen unverschämten Spruch. Das kennt auch Krüsmann. „Sie haben da was verloren“, sprach er einen Passanten an, der schlicht antwortete, dass er das extra weggeschmissen habe.

Mehr über andere Sportarten als über Fußball in der Zeitung zu lesen, das regte neben Laurien, der sich für die Sportakrobatik engagiert, auch Günter Dauben an. Horst Rolf hingegen sähe gerne mehr lokalpolitische Berichterstattung im Blatt – und wünscht sich für Sprockhövel die Ankündigung einzelner Fachausschüsse mit Themennennung. Und die Begleitung der Diskussion durch die Zeitung. Die Politikverdrossenheit, so der Tenor, sei bedauerlich. Es sei traurig, wie wenig Menschen über Politik wüssten, „besonders viele junge Menschen, die wissen teilweise nicht,, welche Aufgabe ein Bürgermeister hat“, so Anna-Maria Gerlach. Gespannt blicken alle auf die Bürgermeisterwahl.

Viele aus der Gruppe engagieren sich ehrenamtlich: Anna-Maria Gerlach im Pfarrgemeinderat, andere in Vereinen. Thema war auch die Währungsspekulation der Stadt, bei der sie Geld verlor (wie berichtet). Tenor: Städte sollten so kein Geld anlegen, seien aber nur teilverantwortlich, weil sie letztlich oft Empfehlungen des Gemeindeprüfungsamtes folgten, eh nur engen Gestaltungsspielraum hätten.