Was nach der Milchquote kommt

Martin Schlenkermann
Martin Schlenkermann
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Was wir bereits wissen
Heimische Landwirte äußern sich über das Aus für die Agrar-Regelung nach 31 Jahren.

Hattingen..  31 Jahre nach ihrer Einführung wird die Milchquoten-Regelung zum 1. April dieses Jahres abgeschafft. Hattingens Milchbauern erleben das Aus mit gemischten Gefühlen.

Martin Schlenkermann (39) etwa, der in Oberstüter einen Hof mit 80 Milchkühen bewirtschaftet, freut sich über den Wegfall der Kontingentierung – „vor allem deswegen, weil die Milchquote nie das gebracht hat, was wir Landwirte uns von ihr versprochen haben: stabile, hohe Preise.“ Dass manche seiner Kollegen „Angst haben, in den freien Handel entlassen zu werden“ hält Schlenkermann vor allem „für ein emotionales Problem“. Während der Existenz der Quote seien für den Liter Milch doch auch stark schwankende Preise gezahlt worden – mal 50 Cent, mal nur 25 Cent. Er sei „als Kleinbauer nicht so begeistert“ über das Ende der Milchquote, sagt derweil Andreas Mahler (50). Insbesondere die größeren Betriebe, glaubt er, würden nun noch mehr produzieren, der Milchpreis werde so „noch weiter sinken“. Dabei liege er jetzt schon bei nur noch 30 Cent/Liter. Aufgeben allerdings will Mahler seine 35 Milchkühe nicht – egal, was wird: „Meine Devise heißt: Augen zu und durch.“ Ähnliche Befürchtungen wie Mahler hat auch Clemens Unterste-Bahrenberg (27 Milchkühe): „Die Milchquote“, so der 51-Jährige, „hat dafür gesorgt, dass die Produktion in Bahnen gehalten wurde, das fand ich gut.“ Nun aber bestehe die Gefahr, dass kleinere Milchbauern von den Großbetrieben mit über 100 Milchkühen „noch weiter abgedrängt werden“.

Ganz so pessimistisch sieht Dieter Mintart (75 Milchkühe) die Situation nicht. Zumal Experten das jährliche Wachstum für Milchprodukte auf 1,5 bis zwei Prozent einschätzten. Allerdings, betont der 51-Jährige, gebe es „noch zu viele Unbekannte, um beurteilen zu können, was das Quotenaus tatsächlich bedeutet“.

Klar allerdings ist schon jetzt dies: Durch den Wegfall des staatlich zugeteilten Milchkontingents wird es künftig nicht mehr möglich sein, dass ein Landwirt sein Milchkontingent bei speziellen Milchquoten-Verkaufsstellen an Kollegen veräußert. „Unser Betriebskapital“, so Schlenkermann, „wird abgewertet.“