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Wandern, dreidimensional

24.06.2007 | 05:47 Uhr

Es gibt Dinge, die man immer mal machen wollte, aber irgendwie ist jedes Mal etwas dazwischen gekommen.Oder man hat sich nicht herangetraut. Die Hattinger Zeitung traut sich - heute gehen wir zum ersten Mal tauchen

SOMMER-SERIE DAS ERSTE MAL Gerade noch war ich ganz entspannt. Jetzt wird mir mulmig. Ich sitze auf dem Grund des Schwimmbeckens, auf meinem Rücken eine Pressluftflasche, in meinem Mund ein Gummiding, durch das ich atmen soll. "Einfach normal weiteratmen" hat Maik gesagt.

Maik Thronicker von DUC ist mein Tauchlehrer. Der weiß, wovon er spricht. Ich habe auch verstanden, was er gesagt hat. Und trotzdem: Die ersten drei Versuche, unterzutauchen und dabei zu atmen, muss ich abbrechen. Ich fange an zu japsen, will durch die Nase atmen wie immer, das geht nicht, ich tauche auf.

"Macht nichts", sagt Maik. Schnell legt sich das erste Unwohlsein, ich atme ruhiger. Wir tauchen. Wenn das Atmen erst funktioniert, ist der Rest nicht mehr schwer. Mit dem Quatschen ist es jetzt vorbei. Wir haben vier Zeichen verabredet, mit denen wir uns unter Wasser verständigen können. Daumen hoch heißt Auftauchen, Daumen runter Abtauchen, und wenn alles in Ordnung ist, macht man einen Kreis aus Daumen und Zeigefinger. Wenn der Druck auf den Ohren sich nicht mehr ausgleichen lässt, halten wir die Hand ans Ohr. Alles ganz einfach.

Wir ziehen los. "Tauchen ist wie wandern - nur dreidimensional", hat mir der Vereinsvorsitzende Raúl Trujillo-Alvarez anfangs erklärt. Unser Revier: Die drei Dimensionen des Schwimmerbeckens im Freibad Welper. Auf die Faszination der Unterwassertierwelt müssen wir verzichten. Dafür finde ich eine ertrunkene Kellerassel. Die Arme hatte wohl keine Pressluftflasche.

Atmen klappt mittlerweile bestens. Ab und zu muss ich noch auftauchen, weil mir etwas Wasser in die Nase läuft. Das ist unangenehm, aber ein Problem, das sich beheben lässt. Auch die Brille beschlägt nicht mehr. Freie Sicht also. Nach etwa 30 Metern fällt das Becken steil ab - wir erreichen die Sprunggrube. Das Wasser wird tiefer, ich muss Druckausgleich machen. Dazu hält man die Nase zu und pustet kräftig, bis es im Ohr leicht knackt.

Hier unten herrscht reges Treiben. Ein Taucher macht Unterwasserfotos mit einem Plastik-Hai. Ein anderer Schnuppertaucher macht erste Gehversuche auf dem Beckenboden. So langsam habe ich die Ruhe, mich genauer umzuschauen. Viel zu sehen gibt es nicht - auch nicht an der Oberfläche. Das Schwimmbad ist heute ziemlich leer. Auf dem Boden liegen Blätter und andere Pflanzenteile. Aus einem Rohr im Boden steigen Luftblasen auf - ob das so richtig ist?

Maik holt Spielzeug, damit es nicht langweilig wird. Wir spielen Frisbee. Leider konnte ich ihm nicht sagen, dass ich im Werfen eine Niete bin. Zum Glück kann er sich unter Wasser nicht beschweren.

Langsam wird mir kalt - wir sind schon ganz schön lange im Wasser. Wir tauchen auf. Flossen, Maske und Flasche gebe ich wieder ab. Ich bin glücklich. Tauchen macht Spaß. Premiere gelungen.

Von Nina Estermann

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