Wahlkampf zielt erst einmal nach innen

Kandidaten auf Ostertour: Dirk Glaser und Manfred Lehmann auf den Internetseiten von CDU und SPD.
Kandidaten auf Ostertour: Dirk Glaser und Manfred Lehmann auf den Internetseiten von CDU und SPD.
Foto: Fischer
Manfred Lehmann und Dirk Glaser wollen Bürgermeister werden. Vor dem politischen Duell müssen die Parteien ihre Kandidaten offenbar zunächst den eigenen Leuten erklären. Eine Betrachtung.

Hattingen.. Natürlich haben sie in den Fußgängerzonen Ostereier verteilt. Das gehört sich so im Wahlkampf. Nicht nur wegen der Fotos mit viel Bürgernähe. Geschenke machen und Gespräche führen sind Pflichtaufgaben für Bürgermeisterkandidaten. Gut möglich, dass Manfred Lehmann und Dirk Glaser mit dem Wahlvolk auf der Straße auch über faule Eier gesprochen haben. Die Franken-Kredite etwa, die zurzeit höchst kontrovers behandelt werden. Sicher werden sich die Kandidaten irgendwann dazu positionieren (müssen). Zurzeit allerdings hört man zu solchen Themen wenig. Das mag daran liegen, dass erst in fünf Monaten gewählt wird. Klar ist allerdings auch, dass beide Wettbewerber zurzeit auch noch auf einer zweiten Baustelle unterwegs sind. Sie müssen die Parteien, die sie tragen, stärker hinter sich bringen.

Der SPD-Spitze war das einen wuchtigen Brief wert. Unverzüglich nach Bekanntwerden der Unterstützung von Dirk Glaser durch CDU, Grüne und FDP schickten die amtierenden SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Sabine Radtke und Carsten Bäcker ein Zwei-Seiten-Schreiben an die rund 650 Hattinger Sozialdemokraten. Natürlich ist der Brief voller Spitzen gegen Dirk Glaser, der bei der SPD als Bürgermeisterkandidat nicht hatte landen können. „Das Bürgermeisteramt ist kein Versorgungsposten“, heißt es da. Und: „Wer die kommunale Politik in Hattingen verfolgt, weiß, dass es sich bei Glasers Unterstützerkreis nicht um ein breites politisches Bündnis handelt. Zum Teil sind sich diese Parteien in der Unterstützung ihres Kandidaten ja nicht einmal intern einig.“

Als ob das bei der SPD anders wäre. Immerhin hatte Dirk Glaser bei zwei Kampfabstimmungen gegen Manfred Lehmann um das SPD-Ticket zur Bürgermeisterwahl rund ein Drittel der Delegiertenstimmen hinter sich bringen können. Die damalige Parteichefin Sabine Kelm-Schmidt quittierte Lehmanns Nominierung mit ihrem Rückzug. Die SPD ist nach wie vor tief zerstritten. Und der Ortsverein Hattingen-Mitte, der Glaser wollte, mag das Fremdeln mit Lehmann nicht aufgeben. „,Hattingen – gemeinsam. Für Alle.’ Unter diesem Titel wollen wir gemeinsam zeigen, wie wir als SPD mit unsrem Kandidaten Manfred Lehmann gemeinsam die Stadt voranbringen“, heißt es am Ende des Schreibens von Radtke und Bäcker. Man kann das als Programm lesen – oder als Weckruf zur Geschlossenheit innerhalb der SPD.

Die Reihen hinter sich schließen muss auch Dirk Glaser. Natürlich eint der Wille zum Machtwechsel im Rathaus CDU, Grüne und FDP. Und natürlich hat die Jamaika-Klammer zuletzt Dezernentenwahlen festgetackert. Jetzt aber muss ein Parteiloser politische Überzeugungen als Paket verkaufen. Kein Wunder, dass sich jede Partei mit ihren Themen in dem gemeinsamen Positionspapier wiederfindet: Schulen und Finanzen für die CDU, Umwelt für die Grünen, Mittelstand für die Liberalen.

Das kann man zielgerichtet nennen. Oder beliebig. Klar ist: Warum er das alles zunächst mit der SPD gestalten wollte, muss Dirk Glaser vielen Christdemokraten, Grünen und Liberalen erst noch erklären.