Vorbereiten auf Ebola-Patienten

Matthias Ketteler vom Verein Projekthilfe Gambia in Gambia
Matthias Ketteler vom Verein Projekthilfe Gambia in Gambia
Foto: Ketteler
Was wir bereits wissen
Matthias Ketteler vom Verein Projekthilfe Gambia beschäftigte sich in 2014 mit zwei großen Themen: der Moringa-Plantage und mit möglichen Ebola-Fällen in der Buschklinik Hattingen

Hattingen..  Drei Mal war Matthias Ketteler in 2014 in Gambia, jedes Mal für etwa zwei bis drei Wochen. Nicht um Urlaub zu machen, sondern um sich vor Ort für die Buschklinik Hattingen und die Belange des gerade in Projekthilfe Gambia umbenannten Vereins (vormals Projekthilfe Dritte Welt) zu engagieren.

Dabei ist der 53-Jährige eigentlich mit dem Pflegedienstunternehmen und der Computer-Firma, die Software für Pflegedienste herstellt, schon gut ausgelastet. Aber der Einsatz für die Menschen in Gambia liegt ihm am Herzen.

Zwei Dinge sind für ihn 2014 herausragend gewesen: die Moringa-Plantage und die Vorbereitung auf mögliche Ebola-Fälle. „Vor zweieinhalb Jahren haben wir mit der Moringa-Plantage begonnen. Jetzt sind wir so weit, dass wir die Früchte unserer Arbeit ernten wollen.“

Vertrieb der Moringa-Produkte

Gekämpft haben sie gegen gelbe Blätter und Schädlinge. „Wir sind ja alle keine Botaniker“, so Ketteler. Die Moringa-Plantage jedenfalls ist nach seinen Angaben die größte im Land mit 10 000 Bäumen. Die Moringa-Produkte sollen in Gambia gefertigt und in Deutschland - u.a. über das Internet, aber auch möglicherweise über Hattinger Händler - vertrieben werden. Tee, Blattpulver, Samen, Öl - für die eigens Ölmühlen gebaut wurden - sind die Produkte. „Aus dem Öl können wir Seife und Kosmetika machen. Moringa ist die Pflanze mit den höchsten Antioxidantien, mit den meisten Aminosäuren, man könnte sich von der Pflanze alleine ernähren. In den USA und in Deutschland nehmen viele Menschen die Produkte als Krebsvorsorge.“

Ein Erfolg in diesem Jahr: Die selbst erdachten und produzierten Trockner für die Moringa-Blätter funktionieren. „Wenn auch nicht als Solartrockner wie geplant“, räumt Ketteler ein. Sechs davon gibt es vor Ort, erbaut mit Materialien, die in Gambia zu bekommen sind. „Das ist uns bei allem wichtig.“ Die Blätter jedenfalls der Pflanze müssen „vier Stunden bei unter 55 Grad getrocknet werden, damit die Vitamine erhalten bleiben“. Die Trockner werden mit Holzkohle - wenn nötig - beheizt, funktionieren ohne Elektrizität. „Zwei Jahre haben wir daran gearbeitet.“

Mit Blick auf Gambias Nachbarländer glaubt Ketteler, dass die „Ebola-Epidemie irgendwann auch Gambia erreicht“. Und im ländlichen Bereich sei die Klinik schnell Anlaufstation. Einen Verdacht auf Ebola hatte die Klinik schon gemeldet (wir berichteten). „Jetzt sind wir in der Lage, Erkrankte zu separieren“, freut sich Ketteler, der bei seinem Weihnachts-/Silvesteraufenthalt in Gambia zusammen mit Frau und siebenjähriger Tochter auch zu Gesprächen im Gesundheitsministerium erwartet wird. „Ich bin Sonderbotschafter“, sagt er - und die Klinik erfreut sich besten Rufes, ist führend im ländlichen Bereich, zieht entgegen dem Trend immer mehr Patienten an, obwohl die Preise „drastisch“ erhöht wurden. „Haben wir früher um die sieben Cent genommen, erheben wir jetzt einen Euro, da sind aber die Medikamente schon mit drin“, so Ketteler. Die Patienten merkten schnell, dass zwar andere Stationen günstiger sind - dann aber die Medikamente in Apotheken bezahlt werden müssten.

Zwölf Kinder aus Gambia, geboren zwischen 2002 und 2011, konnten in 2014 dank der Kooperation des Vereins mit dem Friedensdorf Oberhausen für Operationen nach Deutschland kommen. Sechs der Kinder kamen noch drei Tage vor Weihnachten an. „Die Kooperation besteht seit drei Jahren. Meist haben die Kinder Verbrennungen erlitten oder Verätzungen, weil sie Lauge getrunken haben, die u.a. zum Wäschewaschen verwendet wird.“