Von mutigen Frauen und feinfühligen Männern

Hattinger Märchenzeit im Seniorenzentrum St Josef.
Hattinger Märchenzeit im Seniorenzentrum St Josef.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mechthild Pietsch erzählt Märchen im Altenheim St. Josef.

Hattingen..  Mit blauen und goldenen Stoffen ist die Begegnungsstätte geschmückt, Kerzen und Schilder mit der Aufschrift „Märchen“, weisen den Besuchern, die auf den pink gepolsterten Stühlen Platz nehmen, den Weg.

Ob böse Königin, grausame Hexe, weise Fee, zauberhafte Prinzessin, kluges Bauernmädchen: Die Heldinnen sind dickköpfig, klug, gewitzt und natürlich mutig und erdverbunden. In den Märchen von den starken Männern reißen die Bäume aus, erobern mit dem Schwert, zeigen sich tölpelhaft klug, mutig, aber auch feinfühlig und der Natur zugewandt. „So sind wir schnell geneigt, sie mit all ihren Stärken und Schwächen liebevoll anzunehmen und uns auf ihre Seite zu stellen“, beginnt Erzählerin Mechthild Pietsch.

„Bei Apolda liegt die Alte-Weiber-Mühle. Sie sieht ungefähr aus wie eine große Kaffeemühle, nur dass nicht oben gedreht wird, sondern unten. Unten stehen nämlich zwei große Balken hervor, die von zwei Knechten gefasst werden, um mit ihnen die Mühle zu drehen. Oben werden die alten Weiber hineingetan. Faltig und bucklig, ohne Haare und Zähne, und unten kommen sie jung wieder heraus: schmuck und rotbackig wie die Borstäpfel“, beginnt nun auch die Goldmarie, die Gehilfin der Erzählerin, und gestikuliert wild mit den Armen, so dass ihr rotes Samtgewand schwingt. Weiter berichtet sie der Erzählerin, die das Märchen speziell für ihr älteres Publikum ausgewählt hat, von einer Frau, der alten Mutter Klapprothen, die sich auf den Weg machte, um in die Mühle zu steigen und sich verpflichten sollte, nach der Verjüngung alle Torheiten erneut zu begehen. „Ach Gottchen, bitte nicht“, kommentiert eine Dame kichernd.