Von Fahrradfreundlichkeit entfernt

Robert Dedden
Robert Dedden
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Interview mit Robert Dedden vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club: In Hattingen muss ein Umdenken einsetzen, um das Radwegenetz zu verbessern.

Hattingen..  Auf seiner Visitenkarte ist ein verrostetes, von Efeu umwuchertes Fahrrad zu sehen: Damit Hattingen keine Stadt ist, wo man das Rad lieber stehen lässt, sondern in der Menschen gern mit eigener Muskelkraft auf dem Zweirad Alltagsstrecken bewältigen, setzt sich Robert Dedden, Ansprechpartner Hattingen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und aktiv bei Pro Rad, für eine fahrradfreundliche Stadt ein. Darüber sprach Liliane Zuuring mit ihm.

Ist Hattingen auf einem guten Weg hin zur fahrradfreundlichen Stadt?

Robert Dedden: Nein. Es gibt nur wenige Städte, die das sind.

Woran liegt das?

Das Problem ist, dass die Stadt beispielsweise immer nur dann etwas unternimmt, wenn es Beschwerden gibt. Hier wird gedacht: Wir müssen etwas tun. In anderen Städten wie Paris, New York, Münster gibt es eine andere Denkweise: Dort wollen die Verantwortlichen etwas tun, weil sie erkannt haben, dass das der richtige Weg ist. Bürgermeister geben dem eine Priorität. In Hattingen sind es eher einzelne Politiker, die sich des Themas mal annehmen. Ich habe nichts gegen Autofahrer, bin früher selbst Rallyes gefahren, wäre fast Profi geworden. Aber bei der Verkehrsplanung muss erst an Fußgänger, dann an Radfahrer, dann an Autofahrer gedacht werden, nicht umgekehrt. Hattingen hat für Radwege jährlich nur einen Etat von 10 000 Euro. Das ist zu wenig.

Seit wann bohren Sie Bretter für eine fahrradfreundliche Stadt?

1999, da hatte ich mich wegen einer Verletzung gerade entschlossen, mich mehr für das Thema zu engagieren und war ADFC-Ansprechpartner für Hattingen geworden, sprach mich die Stadt an, ob ich nicht am ersten Radverkehrskonzept mitarbeiten wolle. Damals wurden dann unter anderem Schutzstreifen für Radfahrer markiert, beispielsweise am Schulzentrum Holthausen. Nicht umgesetzt wurde damals meine Anmerkung, den gemeinsamen Geh- und Radweg vom Ludwigstal runter zum Kühlen Grund abzuschaffen, damit Radfahrer nicht gezwungen sind, ihn zu nutzen, sondern auch auf der Straße fahren dürfen. Der Weg ist durch Enge, viele Einfahrten gefährlich. Erst mit dem zweiten Konzept 2010/2011 ist da etwas geändert worden.

Wie kann das Thema präsenter werden in den Köpfen der Bürger?

Der Fahrradfrühling, den ich mit der VHS organisiert habe, ist eine Möglichkeit zu zeigen, dass man das Rad als Verkehrsmittel und nicht nur für Ruhrtal-Radweg-Touren nutzen kann. Es gab viele Aktionen und Diskussionen.

Kommen durch E-Bikes mehr Menschen aufs Rad?

Ja, ich kenne viele, die ewig kein Rad gefahren sind, sich jetzt ein so genanntes Pedelec gekauft haben, das bis zu 25 km/h unterstützt. Beispiel Blankenstein: Da war es vielen zu mühselig, das Tal rauf- und runterzufahren. Mit Pedelecs, die übrigens nur fahren, wenn man sich selbst bewegt, ist das einfacher.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Es geht mir nicht um einzelne Maßnahmen wie eine Absenkung mal hier und ein neues Schild da. Ich möchte langfristig in Hattingen etwas ändern. Darum würde ich mich freuen, wenn Hattingen im nächsten Radverkehrskonzept wie Witten eine Zielvorgabe formulieren würde. Die Mobilitätsstudie hat gezeigt, dass der Anteil des Radverkehrs im Kreis bei nur fünf Prozent liegt, deutschlandweit liegt er bei zehn Prozent. 13 Prozent, so will es Witten, sollen es in zehn Jahren sein. So etwas wünsche ich mir auch für Hattingen.

Wo müssten kurzfristig Verbesserungen am Radewegenetz vorgenommen werden?

Die Reschop-Kreuzung ist gefährlich und für Radfahrer schwer zu überqueren, man muss über drei Ampeln schieben. Die Querung der Martin-Luther-Straße auf Höhe der Bruchstraße ist ein Problem. Wer geradeaus mit dem Rad in die Altstadt will, riskiert, von den zumeist abbiegenden Autos übersehen zu werden. Eine Aufstellfläche vor den Autos könnte helfen.

Fährt man auf der August-Bebel-Straße Richtung Welper, endet der Radweg. Auf der Straße zu fahren, ist gefährlich mit parkenden Krankenwagen und Lieferfahrzeugen. Die Straße könnte hier bis zum Anschluss an den Radweg auf Friedhofshöhe einspurig werden, damit Platz für eine Radspur ist.

Sie fahren selbst mit dem Rad zur Arbeit nach Hiddinghausen. Ihre Erfahrungen?

Das Problem auf der Bahntrasse nach Sprockhövel ist, dass es Kanten gibt, das Wasser stehen bleibt, Schlamm sich sammelt. Das ist gefährlich – und man ist hinterher total verdreckt. Eine Asphaltierung wäre gut.

Gibt es genug Rad-Abstellplätze?

Nein, sie fehlen selbst vor der Stadtverwaltung an der Hüttenstraße.

Haben Sie einen Zukunftswunsch?

Eine durchgehende Verbindung von Welper zur Altstadt. Ich nehme immer meine Schleichwege. Für Auswärtige ist das schwierig. Außerdem wäre es schön, wenn es einen Radweg von der Stadt direkt runter zur Birschel-Mühle gäbe. Und: Wenn die Bahnhofstraße eh gemacht wird, sollte auch an Radfahrer gedacht werden mit klarer Radfahrstreifen-Markierung. Die Schienen sollten weg.