Von Eierlikörtagen und tragischen Lieben

Bernd Jeucken
Bernd Jeucken
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
  • Hattinger Tipps zur Frankfurter Buchmesse
  • Niederlande und Flandern als Ehrengäste vertreten
  • Typisch für niederländische Literatur: unterhaltsam, aber nicht oberflächlich

Hattingen..  „Dies ist, was wir teilen“: Unter diesem Motto präsentieren sich die Niederlande und Flandern als Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Welche Werke von dortigen Autoren sich zu lesen besonders lohnt? Bernd Jeucken, Leiter der hiesigen Stadtbibliothek, seine Kollegin, die Bibliothekarin Heike Bein, sowie Annabell Pick, Chefin der Mayerschen Buchhandlung am Obermarkt, geben Tipps.

Cees Nooteboom, Marten ‘t Hart, Margriet de Moor, Connie Palmen, Leon de Winter, den er vor Jahren sogar einmal persönlich kennen gelernt hat: Nach kurzem Nachdenken fallen Bernd Jeucken gleich mehrere niederländische Schriftsteller ein, deren Bücher er empfehlen kann. Und anders als er selbst zunächst vermutete, gibt es in der Bibliothek im Reschop Carré allein über 50 Werke von Schriftstellern aus dem Nachbarland.

Unterhaltsam, nicht oberflächlich

Es sei dabei „typisch für die niederländische Literatur“, lobt Jeucken, „dass sie unterhaltsam, aber nicht oberflächlich ist“. Was auch für folgende zwei Neuerscheinungen zutrifft: „Du sagst es“ von Connie Palmen, eine fiktive Autobiografie über eines der bekanntesten US-Paare der modernen Literatur, Ted Hughes und Sylvia Plath, die sich 1963 mit nur 30 Jahren das Leben nahm, sowie Margriet de Moors „Schlaflose Nacht“. Letztere Novelle handelt von einer Frau, die an Schlaflosigkeit leidet, Ursache ist eine unverarbeitete Beziehung . . .

So weit zu den Niederlanden. Und zu Flandern? Da falle ihm, gesteht Bernd Jeucken, außer Hugo Claus’ Buch „Der Kummer von Flandern“, das aus der Sicht des kleinen Jungen Louis aus dem flämischen Walle erzählt, wie deutsche SS-Verbände im Zweiten Weltkrieg in sein Heimatstädtchen einmarschieren, nichts ein. „Von der flämischen Literatur hat man hier bislang nicht so viel gehört“, da sei es schön, dass die Buchmesse einen Anstoß gebe, um dies vielleicht zu ändern. Was Bibliothekarin Heike Bein wohl bejahen dürfte, denn zum Thema „Buchmesse-Ehrengäste 2016“ im Bereich Kinderliteratur weiß auch sie nur niederländische Werke zu nennen: Jan de Zangers „Dann eben mit Gewalt“, ein Roman zum Thema Neofaschismus (ab 14 Jahren), Tonke Dragts Fantasie-Werk „Der blaue Mondstein“ (ab 10 Jahre) sowie Bart Moeyaerts Erstlingslesebücher „Mut für drei“.

Und sonst? Gebe es – als Erwachsener – auch noch die niederländische Autorin Dorinde van Oort und ihr Buch „Frau im Schatten“ zu empfehlen, findet Annabell Pick, Leiterin der Mayerschen Buchhandlung am Obermarkt. Wovon dieses handelt? Nun: von der Protagonisten Emma, die nach dem Tod ihrer Großmutter deren Lebensgeschichte zu rekonstruieren versucht. Aber schon bald bemerkt Emma, dass es in Omas Vergangenheit etwas gibt, von dem niemand wissen soll. . . „Ein fesselndes Familiendrama, das einen nicht mehr loslässt“, sagt Annabell Pick.

Und noch eine Lese-Empfehlung möchte die Expertin an dieser Stelle aussprechen, nach einem Hinweis von ihrer Mutter Giesela. Die nämlich hat Hendrik Groens Buch „Eierlikörtage: Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 831/4“ gelesen. „Lustig, traurig, manchmal herzerreißend und immer unterhaltsam wiedergegeben“ habe der Autor seine Erfahrungen, die er als Bewohner in einem Altenheim mache, so Pick. Nun denn: Lesen Sie los!