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Ballett

Von Applaus und Adrenalin

06.01.2013 | 21:00 Uhr
Von Applaus und Adrenalin
Jan Riekenborck (li) und Thomas Benke.Foto: Caroline Seidel

Hattingen.  Der Hattinger Thomas Benke und sein Kumpel Jan Riekenborck lieben das Ballett. Die beiden Zwölfjährigen besuchen das Gymnasium Werden und wollen einmal Tänzer werden.

Die Idee hatte seine Mutter: „Sie meinte, ich hätte den richtigen Körper fürs Tanzen, und so kam ich zum Ballett.“ Thomas Benke war damals fünf Jahre alt, und er selbst dachte: „Das ist was für Mädchen.“ Leider dachten das auch all seine Klassenkameraden, als der junge Hattinger dabei blieb, Freude am Tanzen fand. „Die haben mich immer gemobbt.“

Inzwischen besucht der Zwölfjährige das Gymnasium in Essen-Werden, an dem man die Ausbildung zum Tänzer mit dem Abitur kombinieren kann. Weil dieses Angebot einzigartig ist, pendelte Thomas in der 5. und 6. Klasse von Hattingen Tag für Tag nach Essen: 80 Minuten Bahnfahrt. „Dafür ist es hier normal, dass Jungen tanzen.“ Seit diesem Schuljahr hat nun auch die Pendelei ein Ende, denn nun wohnt Thomas unter der Woche im Sport- und Tanzinternat in Rüttenscheid. Das nimmt in der Regel erst Schüler ab 14 auf, hat aber für Thomas und den gleichaltrigen Jan Riekenborck aus Nettetal eine Ausnahme gemacht.

Jan ist im Vergleich zu Thomas ein Spätberufener: Erst vor anderthalb Jahren hat er mit dem Tanzen begonnen, nachdem er eine Ballett-Aufführung seiner fünf Jahre alten Schwester gesehen hatte. „Alice im Wunderland – ich war so begeistert!“ Seine Mutter ermunterte ihn: „Du kannst den Mut haben für eine Probestunde.“ Der Ballettlehrer war vom Talent des Jungen angetan, bald trainierte Jan zweimal pro Woche, dann täglich. Wegen der ungewohnten Belastung habe er schon mal Fußprobleme, „aber das macht mich nicht tanzunfähig“. So empfindet er es als Glück, dass er 2012 ans Gymnasium Werden wechseln konnte: „Ich will auf jeden Fall Tänzer werden.“

Es ist ein Ziel, das er mit Thomas teilt. Ein Ziel, für das beide einen straffen Trainingsplan absolvieren: gut zehn Wochenstunden Tanz neben Unterricht und Hausaufgaben. „Donnerstag haben wir neun Stunden Schule, danach bis halb sieben Tanzen, das ist schon lang“, erzählt Thomas. Aber es laufe gut, nur Latein sei schwer. „Die Schwimmer im Internat gehen schon um fünf Uhr morgens zum Training – das ist hart“, sagt Jan.

Im Internat sind sie die Küken, ab und an werden sie von Älteren geärgert, andere seien dafür nett. Aufgehoben fühlen sie sich in ihrer Tanzclique, auch wenn die fünf tanzenden Jungen in ihrer Stufe eine Minderheit sind. Beim Training mit Klavierbegleitung erlebt man sie ernst und hochkonzentriert, inmitten von Mädchen mit akkuratem Dutt. Es ist eine Welt, die auch Jans Vater erst fremd war. „Er ist Förster und fand Ballett für einen Jungen komisch. Inzwischen erkennt er an, wie anstrengend das ist – und er sieht sich sogar Ballettfilme an.“

Auch seinen Sohn kann er schon in Aufführungen erleben: Jan und Thomas gehören zu den Schülern, die bei der „Hommage an Queen“ im Aalto-Theater mit den Profis tanzen. Jan liebt es: die moderne Musik, die große Bühne. Das Lampenfieber habe schon nachgelassen. „Aber wenn am Ende alle applaudieren, gehe ich zitternd von der Bühne, voll mit Adrenalin.“

Für Heimweh hätten sie zu wenig Zeit und zu viel Ablenkung, sagen Jan und Thomas, die beide drei kleinere Geschwister haben. Trotzdem freuen sie sich natürlich auf die Wochenenden zu Hause. „Ich bleib’ gern im Bett und sehe fern“, verrät Thomas. Jan sagt, davon halte seine Mutter nicht viel. Auch dass er gern auf dem BMX-Rad durch den Wald heize, sehe sie vor allem als Verletzungsrisiko. Verbieten tue sie es aber so wenig wie das Skateboarden mit Thomas: „Meine Mutter sieht schon, dass ich ein Kind bin, das Freizeit braucht.“

Christina Wandt

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2013-01-06 21:00
Hattingen