Vom Klinkenputzen zur Kanzlerin
16.02.2010 | 18:17 Uhr 2010-02-16T18:17:00+0100
Der Verleger Willi Bredemeier aus Welper arbeitet am Bericht für den IT-Gipfel, an dem Angela Merkel teilnimmt.
Als Gerda Bredemeier ihren Mann kennenlernte, war er Student. „Dann ging es Schlag auf Schlag”, erzählt sie. Er wurde Assistent an der Uni Freiburg und Münster, später Verlagsgründer. Heute ist Dr. Willi Bredemeier außerdem Geschäftsführer seines Institutes for Information Economics. Dazu kommen unzählige Projekte wie eine Interview-Serie für die Bibliothek der Zukunft. Seine Branche: Informationswirtschaft.
Sein Berufsweg führte den Welperaner bis zur Bundeskanzlerin. Denn der 70-Jährige arbeitete im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums am Monitoring zur Informationswirtschaft. Das erscheint jährlich zum IT-Gipfel, an dem Angela Merkel teilnimmt. Dafür erstellt Willi Bredemeier mit Kollegen eine Übersicht zu Untersuchungen aus den Bereichen Telekommunikation, Internetwirtschaft und Informationstechnik. Er beschäftigte sich mit der Zukunft und Trends der Branche. Befragte 100 Experten: „Da musste ich ordentlich Klinkenputzen”. Regelrecht belagert habe er die Sekretariate großer Unternehmen.
Keine Entspannung ohne Arbeit
2000 erschien der erste Bericht mit Ergebnissen des Hattingers. 2006 beschloss der aus dem Konsortium auszuscheiden, dachte sich: „Ich mache mir ein schönes Leben.” Doch ohne Arbeit: unmöglich. Als tüchtig, sorgfältig und voller Power beschreibt ihn seine Frau. Sogar im Urlaub redigierte er in Griechenland Bücher zwischen einer Schar Hühner. Was er sich gönnt: täglich eine lange Mittagspause. Den Feierabend um 20 Uhr.
Sein Berufsleben begann er als Versicherungskaufmann. Dann kamen Abendgymnasium, Volontariat bei einer Tageszeitung. Ein Jahr arbeitete er als Redakteur, bevor er Sozialwissenschaft studierte und schließlich in Volkswirtschaft promovierte. An der Uni Bochum folgt die Stelle im Bereich Technologietransfer. Sein Ziel: Forscher und Unternehmer zusammenzubringen. Das Projekt: Den Forschenden die Verwaltungsarbeit abnehmen. Als eine Art Serviceagentur für Wissenschaftler.
Einen etwas verrückten Professor traf Willi Bredemeier in Köln: Der hielt Seminare für Existenzgründer. „Zu Zeiten als Unternehmen wie die Henrichshütte 12 000 Arbeiter beschäftigten eine völlig abwegige Idee”, sagt Bredemeier. Dachte aber: Da könnte etwas dran sein. 1984 gründete er den Dr. Willi Bredemeier Verlag. Seine Infrastruktur waren Telefon und Schreibmaschine auf dem Dachboden. „Ich trug meinen Doktortitel vor mir her, denn sonst hatte ich ja nichts, um die Leute zu beeindrucken.” Nach drei Jahren ging es aufwärts.
Nach drei Jahren ging es aufwärts
Seit 1986 erscheint seine Fachzeitschrift „Password”. Willi Bredemeier berichtet über Anbieter, die hochwertige Forschungsarbeiten im Internet anbieten. Zunächst als freier Journalist beim Handelsblatt. Das bietet ihm 1998 Password mit einer Auflage von 1000 Exemplaren zum Kauf an. Er schlägt zu. Heute hat er rund 2000 Abonnenten. Sie erhalten täglich auch Informationen per E-Mail. Dafür sitzt er morgens spätestens um sieben Uhr am Rechner.
Wirklich Stress bereitete ihm ein anderes Vorhaben: die Marktforschung. Willi Bredemeier stellte 1991 fest, dass er über Produkte schreibt, zu denen es keine Zahlen gibt. Er gründet sein Institute for Information Economics und fragt nach Umsätzen. „Das hat die Unternehmen nicht gefreut”. Die EU-Kommission schon, für die er dann mit Kollegen die Zahlen für ganz Europa erfasste. „Ich habe gut Geld verdient und es hat Spaß gemacht”. Und den internationalen Flair in Luxemburg genossen. Die Nachtschichten nicht. „Meine Frau wollte sich scheiden lassen”, erzählt er schmunzelnd. Heute sagt sie: „Es war alles genau richtig.”
Treffen mit Merkel
„Und dann kam das, was wirklich zu Merkel führt”, sagt Bredemeier. Das Monitoring für die IT-Gipfel. Vom dem er sich dann doch nicht so richtig verabschiedet hat. Sein Partner hat ihn überredet. Jetzt arbeitet der 70-Jährige weiterhin in dessen Auftrag mit. Er protokolliert die Expertentreffen und beschäftigt sich mit der konzeptionellen Weiterentwicklung. Und gesteht: Willy Brandt und Helmut Kohl habe er früher einmal getroffen – Frau Merkel bislang nicht. Das liege daran, dass er noch nie bei einem der IT-Gipfel war. Wofür auch? Dann ist seine Arbeit doch erledigt: „Ich habe da ja nichts zu tun”.
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Solche Leute können eben länger arbeiten als Tiefbauarbeiter.