Vom Denkmal in den Wasserhahn

Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Der Wasserturm am Kressenberg steht wegen seiner außergewöhnlichen Bauweise unter Denkmalschutz. Er sorgt in Niederbonsfeld und Niederwenigern für den richtigen Wasserdruck.

Hattingen..  Mit diesem Denkmal haben tausende Menschen in Niederbonsfeld und Niederwenigern jeden Tag zu tun – auch, wenn sie es gar nicht bemerken. Doch sobald sie den Wasserhahn aufdrehen, blubbert es im Denkmal: im Wasserturm am Kressenberg. Der steht seit August 1984 unter Schutz, denn er ist nicht nur nützlich, sondern auch außergewöhnlich gebaut.

Als „streng vertikal gegliedertes expressionistisches“ Bauwerk wird er in der Begründung der Denkmaleintragung beschrieben. Besonders sind die gemauerten Stützen auf dem sechseckigen Grundriss des ziegelverkleideten Stahlbetonbehälters. Und aus diesem Grund ist der im Jahr 1930 errichtete Wasserturm eben keiner wie viele andere, die von Gelsenwasser betrieben werden. Denn dass ein Wasserturm denkmalgeschützt ist, „das ist eher selten im Gebiet. Sonst haben wir oft moderne Türme“, sagt Torsten Cunz, der sich mit dem „Behälter Balkhausen“, wie der Turm bei Gelsenwasser heißt, bestens auskennt.

Und obwohl der Turm schon 85 Jahre auf dem Buckel hat, funktioniert er noch immer hervorragend. „Ohne Ausfälle“, betont Cunz. Und was genau hat der Turm nun damit zu tun, dass in Niederbonsfeld und Teilen von Niederwenigern Wasser aus der Leitung kommt? „Die Aufgabe des Wasserbehälters ist die Absicherung der öffentlichen Wasserversorgung und das Vermeiden von größeren Druckschwankungen im Versorgungsgebiet. Mit ihm können wir die Haushalte ohne weitere Pumpen versorgen“, erklärt der Fachmann.

Denn an der Spitze des insgesamt 24 Meter hohen Riesen befindet sich eine Wasserkammer. Die hat einen Durchmesser von 8,74 Meter und fasst 250 000 Liter Wasser. Im Inneren des Turmes führt eine Leitung nach oben und eine Ablaufleitung nach unten. Aus dem Wasserwerk Essen wird der Turm am Kressenberg gespeist. Mit Hilfe der so genannten Druckerhöhungsanlage am Balkhauser Weg gelangt das Wasser in den Turm. „Immer dann, wenn ein festgelegter Minimalstand erreicht ist, wird nachgefüllt“, weiß Cunz. Den Rest erledigt die Schwerkraft: Im freien Fall rauscht das Wasser aus der Höhe in die Haushalte und sorgt dort für den nötigen Druck aus der Leitung.

Außerdem ist der Wasserturm Vorratsspeicher. Je nach Verbrauch reicht die vorgehaltene Wassermenge die ganze Nacht. Tagsüber kann die Versorgung mit entsprechendem Druck etwa sechs Stunden gewährleistet werden.

Zum alten Eisen gehört der Wasserturm, den Gelsenwasser 1965 von der AVU übernahm, übrigens noch lange nicht: „Bei guter Pflege kann er auch noch 100 Jahre betrieben werden.“