Viel Mittelstand, wenig Pleiten

Jürgen Köder, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsagentur Ennepe-Ruhr
Jürgen Köder, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsagentur Ennepe-Ruhr
Foto: Jonas Güttler
Was wir bereits wissen
Betriebe im Ennepe-Ruhr-Kreis müssen seltener aufgeben als anderswo. Wirtschaftsförderer lobt Wertebewusstsein der Familienunternehmen.

Hattingen..  Das Pleiterisiko für Unternehmen ist im Ennepe-Ruhr-Kreis geringer als im Ruhrgebiet allgemein: Das besagt die jetzt vorgestellte Untersuchung „Pleiterisiko für Unternehmen im Ruhrgebiet 2014“ der Creditreform-Geschäftsstellen des Ruhrgebiets bei der Creditreform Bochum Böhme KG in Zusammenarbeit mit der Creditreform Rating AG.

Dort heißt es, der Ennepe-Ruhr--Kreis sei wie in den vergangenen Jahren „top of all“ und liege mit seinen 2,01 Prozent nicht nur weit unter dem Wert des Ruhrgebiets (2,49 Prozent) – das wiederum schlechter abschneidet als NRW (2,16 Prozent) –, sondern sei damit fast schon in den Bereich des „geringen Ausfallrisikos“ vorgerückt. Aber eben nur fast: Denn noch zählt der Kreis zum Bereich des mittleren Pleiterisikos, so wie sechs weitere Kommunen.

Zudem gibt es ein weiteres Aber: Denn zwar steht Ennepe-Ruhr im Ruhrgebietsvergleich gut da, liegt aber über dem deutschlandweiten Risikoindikator für 2014. Der lautet: 1,86 Prozent, was ein geringes Ausfallrisiko bedeutet. Nordrhein-Westfalen insgesamt schafft es beim Bundesländer-Vergleich nur auf Platz 14, mischt also im hinteren Drittel mit.

Nicht von Quartalszahlen getrieben

Den Grund für das recht gute Abschneiden des Ennepe-Ruhr-Kreises sieht Jürgen Köder, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsagentur EN-Ruhr GmbH, darin, dass es hier „viele kleine und mittelständische Familienunternehmen gibt. Bei diesen Firmen herrscht ein anderes Wertebewusstsein, eine höhere Verantwortung. Sie sind beispielsweise nicht von Quartalszahlen getrieben“. Außerdem gebe es inzwischen keine Monostrukturen mehr wie beispielsweise im Emscher-Lippe-Raum, wo Betriebe noch eng an die Bergbauvergangenheit gekoppelt seien. Als positives Beispiel nannte er Halbach und Braun Industrieanlagen in Hattingen, die es verstanden hätten, international Fuß zu fassen, sich neue Märkte zu erschließen.

Zahlen dazu, wie viele Unternehmen in Hattingen Insolvenz angemeldet haben, hat die IHK Mittleres Ruhrgebiet nicht. Wohl aber zu den Neugründungen. Wobei Sprecher Jörg A. Linden anmerkt: „Die Zahl der Existenzgründungen ist seit 2010 rückläufig, was für einen gesunderen Arbeitsmarkt spricht, denn viele Neugründungen entstehen aus wirtschaftlicher Not heraus, sind dann zumeist auch nicht nachhaltig.“ Das Gründungsgeschehen in Hattingen jedenfalls sei auf einem stabilen Niveau. „Hattingen ist nicht gerade eine Gründungsmetropole, aber man ist dabei.“