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VHS setzt Inge Berger vor die Tür

13.09.2012 | 08:00 Uhr
VHS setzt Inge Berger vor die Tür
Der Leiter der VHS Hattingen, Heinz Starmann

Hattingen.   Ein Rauswurf nach 34 Jahren. Schon lange haben sich beide Seiten beschimpft.Die Seniorenzeitung „WiR“ steht nach 193 Ausgaben jetzt vor einem Neuanfang

Wenn sich heute der VHS-Kursus, in dem Senioren die Zeitung „WiR“ gestalten, zur ersten Sitzung des neuen Semesters trifft, gibt es erheblichen Redebedarf. Erstmals seit fast 34 Jahren wird Inge Berger, Initiatorin und Motor der Redaktion, nicht mit am Tisch sitzen. „Man hat mich ‘rausgeschmissen“, sagt die 74-Jährige ebenso traurig wie lapidar. Und sie hat es schriftlich. „Ich werde Ihnen keinen neuen Honorarvertrag unterschreiben“ – so endet der Brief, den ihr VHS-Leiter Heinz Starmann am 27. Juni schickte.

Wütend, enttäuscht, besorgt – Inge Berger ist vieles. Nur eines ist sie nicht: sprachlos. Das wäre auch gegen die Natur der resoluten und aktiven, stets eigenwilligen und oft lauten Hattingerin. Wobei – die Sprache ist wohl einer der Gründe, warum das Verhältnis zwischen der Volkshochschul-Spitze und ihrer Traditions-Kursleiterin bereits seit Jahren zerrüttet ist.

„Mit Heinz Starmann kommuniziere ich seit langer Zeit nur noch schriftlich“, räumt Inge Berger ein. Was auf Gegenseitigkeit beruht. „Frau Berger streitet sich seit 20 Jahren permanent mit uns. Das ist schon lange keine Zusammenarbeit mehr, sondern nur noch Behinderungsarbeit“, kontert Heinz Starmann. Er kann „keinerlei Formen der kollegialen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mehr entdecken“ und hat ihr das auch so geschrieben.

Wahr ist: Inge Berger war und ist nicht nur mit Heinz Starmann über Kreuz. Auch mit seinen Vorgängern focht die Kursleiterin bissige Kontroversen aus. Mal stritt sie mit Jürgen Wilbert über die Benutzungsrechte für eine Boule-Bahn. Mal verbiss sie sich mit Ulrich Möller in abrechnungstechnische Details. 2009 etwa hatte Berger ihrem Arbeitgeber eine Rechnung über „Fingerfood“ in Höhe von 120 Euro eingereicht – Folge einer Feierstunde zum 30-jährigen Bestehen der „WiR“. Die VHS habe einen Veranstaltungsetat, keinen „Fingerfood-Etat“ schrieb Möller der Kursleiterin zurück. Er habe im Vorfeld keine Nachricht erhalten. Also: „Bezahlen Sie Ihre Auslagen bitte selbst.“

Auch im Vorfeld der jetzt ausgesprochenen Kündigung von Inge Berger ging es unter anderem um Geld. Zweimal habe ihr die Volkshochschule seit 2004 die Bezüge halbiert, sagt die 74-jährige Kursleiterin. Und: „Zuletzt musste ich meinem Geld monatelang hinterher laufen.“ Heinz Starmann bestätigt die Honorarkürzungen. Betont aber: „Das galt stets für alle VHS-Kursleiter.“ Und: „Die Auszahlungsverzögerungen zuletzt hatten allein abrechnungstechnische Gründe.“

Letzter inhaltlicher Streitpunkt war wohl das Tauziehen ums Senioren-Kino. Inge Berger, die auch Gründungsmitglied und Motor des vor zwölf Jahren ins Leben gerufenen städtischen Seniorentreffs Kick ist, hatte ein solches Angebot dort installiert. Die Volkshochschule bot dasselbe zusammen mit dem Industriemuseum an. Man stritt um Termine und Filmtitel.

Jetzt hat die Volkshochschule den Dauerstreit also beendet. Inge Berger verabschiedet sich nach 193 Ausgaben der „WiR“ in der aktuellen Nummer, die am 15. September erscheint, mit einem Text auf Seite 3 von ihren Redakteuren und Lesern. „Ich bin unbequem, ideenreich, kritisch, willensstark und verantwortungsbewusst“, schreibt sie. Und: Schade, dass der Umgang mit einem solchen Menschen für eine Bildungseinrichtung wohl zu schwierig gewesen sei.

Schwierig könnte es nun nach fast 34 Jahren für die Seniorenzeitung „WiR“ werden. Die hat sich nicht nur in Hattingen und Nordrhein-Westfalen einen Namen gemacht, sie wird unter anderem auch im Staatsarchiv Leipzig archiviert.

„Der Neuanfang ist auch eine Chance. Wir werden es schaffen“, zeigt sich VHS-Chef Heinz Starmann optimistisch. Thomas Griesohn-Pflieger sagt das anders. „Ich hoffe, dass wir das Projekt retten können. Es wäre schade darum“, so der Stadtsprecher.

Ulrich Laibacher


Kommentare
13.09.2012
16:02
VHS setzt Inge Berger vor die Tür
von Lars_Friedrich | #3

Erst wird das Seniorentheater weggespart, dann knirscht es weithin hörbar im Sprechergremium des Senioren-Forums, schließlich bekriegen sich zwei konkurrierende Senioren-Kino-Angebote heftig, dann wird Omas Trödelmarkt abgesagt und jetzt fehlt der Seniorenzeitung sogar der journalistische Kopf - was ist denn mit der Hattinger Seniorenarbeit los? Ich wünsche mir für uns in Hattingen auf jeden Fall, dass nach dem Rauswurf der engangiert-unbequemen Journalistin Inge Berger das VHS-Projekt "Seniorenzeitung WiR" nicht vordergründig dem Spardiktat der kommunalen Haushaltsaufsicht geopfert wird. "Hattingen hat WiR-Gefühl"

13.09.2012
11:19
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Name von Moderation entfernt | #2

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13.09.2012
10:36
Laecherlich
von ErichMarre | #1

„Die Auszahlungsverzögerungen zuletzt hatten allein abrechnungstechnische Gründe.“

Das ist laecherlich und wahrhaft keine Entschuldigung. Wir sind in Deutschland und nicht in Nigeria, man darf wohl die puenktliche Zahlung erwarten, oder?

„Ich bin unbequem, ideenreich, kritisch, willensstark und verantwortungsbewusst“,

Dieses peinliche Eigenlob zeigt nur eins: ein viel zu grosses Ego.

„Ich hoffe, dass wir das Projekt retten können. Es wäre schade darum“, so der Stadtsprecher.

Wieso ist ploetzlich von Rettung die Rede, das wird in dem Artikel voellig unterschlagen. Was ist das fuer ein Journalismus?

Nebenbei: "WiR" (schon der Name ist albern) ist vollkommen bedeutungslos. Keiner wuerde das Ding vermissen.


1 Antwort
VHS setzt Inge Berger vor die Tür
von kostolany | #1-1

ICH würde diese Zeitschrift vermissen.....einen Menschen namens ErichMarre jedoch nicht !!

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