Verkrampft am Beckenrand
04.03.2010 | 17:14 Uhr 2010-03-04T17:14:00+0100
Die Grundschule Holthausen fördert gezielt Nichtschwimmer, sieht sich dabei jedoch von Eltern im Stich gelassen.
Peter Kaeseler ärgert sich. Die aktuelle Debatte über die Probleme im Schwimmunterricht in Hattingen (wir berichteten) hält der Rektor der Gemeinschaftsgrundschule Holthausen für wenig zielführend.
Die „unerfreulichen Ergebnisse” an den weiterführenden Schulen hätten ihren Ursprung schon weit früher, sagt Kaeseler, wobei er die Verantwortung der Grundschulen an der steigenden Zahl der Nichtschwimmer von sich weist. „Schule hat nicht versagt”, sagt Kaeseler und schiebt den schwarzen Peter weiter: „Viele Eltern fördern immer weniger, schreien aber lauthals, was Schule alles zu leisten habe.”
An der GGS Holthausen versuche man, „jedem Kind das Schwimmen beizubringen” – und kann ein breites Angebot machen: Schulanfänger lernen ab der ersten Klasse in Kooperation mit der SG Ruhr die Grundlagen des Schwimmens und sollen so an die Kurse in der zweiten und dritten Klasse herangeführt werden. Mit drei Lehrern fahren die Holthauser dann ins Schwimmbad am Schulzentrum: „So können wir eine heterogene Gruppe betreuen und auf gute und weniger gute Schwimmer eingehen”, sagt Peter Kaeseler. Ein weiterer Vorteil: „Wenn man zu dritt im Bad ist, kann ein Lehrer ins Wasser und den Kindern Bewegungsunterstützung geben”, sagt Thomas Warring, Sportlehrer an der GGS. Dadurch sei der Schwimmunterricht anschaulicher geworden.
„Es gibt aber immer wieder Kinder, die kennen das Wasser nur aus der eigenen Badewanne”, hat Peter Kaeseler, selbst Sport- und Schwimmlehrer, beobachtet: „Die stehen am Beckenrand und verkrampfen völlig.” Diese Defizite führt der Schulleiter auf die fehlende Frühförderung im Elternhaus zurück. Thomas Warring bestätigt: „Viele Eltern gehen mit ihren Kindern viel zu selten Schwimmen– oder nur in irgendwelche Spaßbäder.”
Trotzdem: „Bei uns soll jedes Kind schwimmen lernen”, sagt Kaeseler und verweist auf einen besonderen Kurs im vierten Schuljahr: Für Schüler die immer noch kein „Seepferdchen” haben, gibt es einen halbjährigen Intensivkurs, für den die Schule extra das Schwimmbad der Reha-Klinik Holthausen anmietet. Mit überwältigendem Erfolg: „Alle Kinder dieser Gruppe konnten anschließend schwimmen.”
Frustrierend sei, so Kaeseler, „dass die Schüler nach der vierten Klasse hier schwimmen können.” Wenn Eltern die erlernten Fähigkeiten ihrer Kinder aber anschließend nicht fördern, könnten diese keine „Wassersicherheit” erlangen: „Es ist schade, dass da später so viel wieder verpufft.” Letztlich stimmt Peter Kaeseler Sportlehrerin Katrin Ulfers von der Hauptschule Hattingen zu, die gesagt hatte: „Ein Seepferdchen heißt überhaupt nichts.” Kaeseler: „Das formale Dokument reicht natürlich nicht aus.” Trotzdem versichert er: „Wir tun was wir können” – und schränkt gleich ein: „Aber Schule kann auch nicht alles auffangen.”
Hintergrund
Die Hattinger Zeitung hatte am 13. Februar unter der Überschrift „Seepferdchen? Das heißt nichts!” über die vielfältigen Schwierigkeiten beim Schulschwimmen berichtet. Besonders die Lehrer an weiterführenden Schulen ärgerten sich über kurze Wasserzeiten, eine gestiegene Zahl an Nichtschwimmern sowie die fehlenden Möglichkeiten, schwache Schwimmer im Unterricht individuell zu fördern.
14:19
Ich finde es Wichtig, dass jedes Kind frühzeitig schwimmen lernt! Wenn die Kinder nicht von zu Hause unterstützt werden, sollte diese Möglichkeit in den Schulen angeboten werden.
Dabei sollte der Versuch unternommen werden, nicht nur das Seepferdchen als Ziel anzustreben, sondern das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze was anlog zum damaligen Freischwimmerabzeichen ist und ein sicheres Schwimmen voraussetzt.
Vorbildlich finde ich das Bestreben der GGS Holthausen in Kooperation mit der SG Ruhr jedem Kind das Schwimmen beizubringen. Weiter so und nicht unterkriegen lassen, der Ansatz ist nämlich mehr als richtig.