Verbraucherzentrale: Kredite prüfen

DIe Verbraucherzentrale rät, Baukredite, die zwischen 2002 und 2011 geschlossen wurden, zu kontrollieren,
DIe Verbraucherzentrale rät, Baukredite, die zwischen 2002 und 2011 geschlossen wurden, zu kontrollieren,
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Verträge, die zwischen 2002 und 2011 geschlossen wurden, können fehlerhafte Widerrufsbelehrungen enthalten. Banken sehen sich im Recht.

Hattingen..  Zahlreiche Bankkunden lassen auf einen Hinweis der Verbraucherzentrale derzeit ihre Bausparverträge prüfen. Bei Verträgen, die zwischen 2002 und 2011 geschlossen wurden, ist die Widerrufsbelehrung sehr häufig fehlerhaft. Ob es auch in Hattingen Fälle gibt, darüber schweigen sich Sparkasse und Volksbank aus.

Die Information ist für Bankkunden aufgrund der aktuellen Zinslage interessant. Die ist auf einem sehr niedrigen Stand. Verträge die vor zehn oder zwölf Jahren geschlossen wurden, sind mit deutlich höheren Zinsen belastet.

Mehr als 7000 Menschen haben sich deshalb allein im vergangenen Jahr bei der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen beraten lassen. Denn wer den Vertrag wechseln will, für den fallen in der Regel hohe Vorfälligkeits-Entschädigungen an. Die Verbraucherzentrale weist jedoch darauf hin, dass Kunden diese Strafgebühr umgehen können, wenn die Widerrufsbelehrungen der Bankinstitute fehlerhaft gewesen seien. Und das beträfe nicht nur Bausparverträge, sondern alle Darlehnsverträge bei Immobiliengeschäften.

75 Prozent Fehlerquote

Alle Verträge, die ab November 2002 geschlossen wurden können eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung enthalten, betont die Verbraucherzentrale. „Das ist bei 75 Prozent der Fälle der Fall“, weiß deren Rechtsanwalt Markus Feck. „Das geht quer durch alle Banken durch“, berichtet er. Keine Bank steche hier negativ oder gar positiv heraus. Eine Prüfung der eigenen Unterlagen lohne sich also.

Die Banken sehen das anders: Auskunft, ob es bereits Kundennachfragen zu diesem Thema gegeben habe, wollten auf WAZ-Nachfrage weder die Hattinger Sparkasse noch die Volksbank geben. Udo Schnieders von der Sparkasse zeigt sich überzeugt davon, dass die verwendeten Formulare den rechtlichen Anforderungen genügten. „Der Widerruf des Vertrages würde für einen Kunden erhebliche Rechtsunsicherheit mit sich bringen und kann im Ernstfall teuer werden“, warnt er. Auch die heimische Volksbank sieht keine Probleme bei ihren Verträgen. In Einzelfällen würde man individuell reagieren, sagt Sprecher Thomas Alexander.

Die Verbraucherzentrale rät betroffenen Kunden, schriftlich zu widerrufen. Die Erfolgsaussichten seien hoch, so Markus Feck. Er rät den Widerruf per Einschreiben zu versenden oder wenn möglich persönlich vorbei zu bringen. „Die Banken nehmen das nicht freudig entgegen. Da müssen die Bankkunden nachbohren. Es im Zweifel vor Gericht austragen“, weiß er.

Bei Verträgen, die nach 2011 geschlossen wurden sieht die Sachlage übrigens anders aus. Diese haben eine neue Musterwiderrufsbelehrung die so genanten gesetzlichen Rang hat.