Tunnelkunst in der Bibliothek

Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
An neuem Ort wird die Performance „Klang – Tanz – Farbe“ nochmals lebendig. Natürlich wird auch das damals im Schulenbergtunnel gemalte Bild ausgestellt.

Hattingen..  Die Tunnelkunst zieht ein in die Stadtbibliothek: Inmitten von Büchern, CDs und Co. wird in der Bücherei im Reschop Carré am Donnerstag, 15. Januar, das bei der Performance „Klang – Tanz – Farbe“ im Schulenbergtunnel im vergangenen August entstandene Gemälde von Aktionskünstler Thomas Schulte zu sehen sein. Von jedem, der kommt – versprochen.

Zwar betont Schulte: Dass im Schulenbergtunnel damals nicht jeder der mehreren hundert Zuschauer das Zusammenspiel zwischen Musiker Wolf Coderas, Tänzerin Roshanak Morrowatian und ihm – der Musik, Bewegung, wechselseitige Berührungen zu einem 2,5x 2 Meter großen Bild verarbeitete – gleich intensiv habe erleben können, sei „eine Analogie zum wahren Leben“. So, wie Schulte die Performance „Klang – Tanz – Farbe“ überhaupt eine Analogie auf das Leben nennt. „Weil im wahren Leben ja auch jeder mit jedem in seinem Umfeld kommuniziert.“ Und, die in Südafrika geborene, heute in den Niederlanden lebende Malerin Marlene Dumas zitierend: „Es geht immer um die Spur der menschlichen Berührung, die ein Gemälde in sich trägt.“

Und doch hat sich der Hattinger die Rückmeldungen so mancher Tunnelbesucher zu Herzen genommen, die ihm sagten, sie hätten von der Aktion kaum oder, wie eine Frau ihm in einem persönlichen Brief schrieb, sogar „wirklich nichts“ gesehen. Und so entstand die Idee, das Bild und seine Entstehung nun noch einmal einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Um 17 Uhr morgen geht es los: Im Rahmen einer Art Vernissage können Interessierte dann das in der Stadtbibliothek aufgebaute und von hinten angeleuchtete „Klang-Tanz-Farbe“-Kunstwerk ausgiebig betrachten. Alle Besucher sind zudem eingeladen, sich an einer von Dirk Glaser moderierten Diskussion über das Gemälde (und seinen Entstehungsprozess) zu beteiligen. Neben Schulte wird auch Christiane Nicolai anwesend sein, die Vorsitzende des Kunstvereins, der im August zu der Performance eingeladen hatte. Parallel zur Ausstellung wird zudem der bei der Aktion „Kunstraum Tunnel“ gedrehte Videofilm von Claus Barteczko (Schulte: „ein Bewegungsdiagramm“) auf einer großen Wandfläche in der Bibliothek zu sehen sein – und dies auch noch am Freitag und Samstag jeweils während der Öffnungszeiten der Bibliothek. Für Musik sorgt Detlef Neuls von der Mülheimer Gruppe „Four 2 the bar“.

Künstler Thomas Schulte freut sich übrigens schon sehr auf die erneute Begegnung mit dem Publikum. Und er hofft auf einen intensiven Dialog über die Tunnelkunst. Wie viel Zeit für das Künstlergespräch morgen angesetzt ist? „Der Prozess“, so Schulte, „ist offen.“