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Suchtarbeit braucht Spielräume

02.04.2010 | 17:19 Uhr
Suchtarbeit braucht Spielräume

Hattingen. Peter Dresia sieht in Zukunft mehr ältere und jüngere Menschen, die der Förderverein Sprungbrett betreuen wird.

Die Suchtarbeit werde sich in den kommenden zehn Jahren mit der Bevölkerung entwickeln, sagt Peter Dresia, Geschäftsführer im Sprungbrett, dem Förderverein zur Suchtarbeit. Die Menschen werden älter, weniger, bunter – diese Faktoren und ihre Folgen werden die Mitstreiter am Steinhagen beschäftigen.

„Wir werden mehr ältere Menschen betreuen“, sagt Dresia. Die Vorboten seien da. Er nennt die Altersarmut. Aber auch die zunehmende Zahl von Single-Haushalten. Schon jetzt leben viele Menschen zwischen 50 und 60 Jahren allein. Der Tod des Partners, Geldnot, Einsamkeit, das Nicht-mehr-Gebrauchtwerden: ein fruchtbarer Boden, auf dem Sucht gedeihen wird. „Alkohol ist billig und permanent verfügbar.“

Die Mitarbeiter im Sprungbrett denken „über einen Hol- und Bringservice nach“. Ältere Menschen könnten so weiterhin am Gesprächskreis teilnehmen, wenn sie den Weg allein nicht mehr schaffen. „Vielleicht vernetzen wir uns mit dem Bürgerbus“, sagt Dresia. Wichtig sei es, den Bereich Ehrenamt für die Suchthilfe weiter auszubauen. Für das Café, aber auch die Selbsthilfegruppen, in denen die Aufgaben wachsen. Dabei darf die Politik mit dem Ehrenamt nicht Dienste ersetzen. Die Ehrenamtlichen müssen gefördert, ihre Arbeit honoriert werden. Denn Ehrenamtliche helfen nicht nur anderen, sondern manchmal auch sich selbst. Alleinstehende bekämen eine Aufgabe, das könne präventiv wirken. „Engagement tut gut“, weiß Dresia.

Stärker engagieren muss sich die Suchthilfe zukünftig auch für Kinder, Jugendliche und Familien. Das gelte im übrigen auch für die Stadt, die mit anderen konkurriere, was die Einwohnerzahlen betrifft.

Die Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche müssten verbessert werden. Dazu seien Projekte notwendig. Ein gutes Beispiel: der Verein Rollkultur mit seinem Skaterpark. Auch in der Schule müssten Kinder in kleinen Einheiten gefördert werden. Wer nach der Schule in Hartz IV festsitze, sei suchtgefährdet. Und wer heute mit zwölf Jahren abrutscht, die Schule abbricht, sei schon dissozial. „Um die Jugendlichen müssen wir uns in Zukunft immer mehr und immer intensiver kümmern“, sagt Dresia. Das sei bereits der Ist-Zustand.

Wer vor 25 Jahren Hilfe suchte, war im Durchschnitt älter. Er hatte eine Ausbildung oder einen Beruf, mehr Persönlichkeit und eine Familie. Wenn er den Dreh bekommen hat, war die Rückkehr dank der Umstände leichter.

Diese Veränderungen bieten eine Menge Sprengstoff. Wird dem nicht mit Prävention entgegengewirkt, malt Dresia ein Szenario mit mehr offenen Trinkgelagen von Arbeitslosen und Jugendlichen aus. Oder einer offenen Drogenszene. Dabei ist Dresia sicher: Würde man jetzt in Prophylaxe investieren, könnte sie in zehn Jahren greifen. Die Kommunen brauchen mehr Spielraum, um auch Jugendprojekte zu finanzieren.

Mehr Mitstreiter könnte man in der Suchthilfe schon heute gebrauchen. Kommt aber kein Rettungsschirm für die Kommunen, „werden sie zukünftig nicht in der Lage sein, Suchthilfe zu bezahlen.“ Bei neuen Mitarbeitern denkt Dresia auch an Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, die mit ins Boot müssten. „Gerade in der Suchthilfe, müssen wir Integration mehr verfolgen.“ Mit Russlanddeutschen als Streetworker, die es für fünf Jahre bereits gab. Oder türkischem Suchttelefon. „Die müssen rein ins Team und vernünftig bezahlt werden“. Das sei wiederum Aufgabe des Landes. Gute Integrations- und Einwanderungspolitik müsse ein Ziel sein. Und sei gleichzeitig Chance. Nicht nur für die Suchtarbeit.

Dominika Sagan



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