Streit ums Putzen vor Gericht

Dieses Mal ging es im Amtsgericht Hattingen weniger um juristische Spitzfindigkeiten und ausgefeilte Verhandlungstaktiken. Dazu kam es erst gar nicht. Die Verhandlung scheiterte an etwas anderem: Einer der zwei Zeugen und der Geschädigte blieben fern.

Eigentlich sollte sich ein Sprockhöveler vor Richter Kimmeskamp verantworten. Laut Anklageschrift ging er Mitte vergangenen Jahres auf seinen Mitbewohner los. Die beide teilten sich ein Zimmer im Haßlinghauser Übergangswohnheim. Der Angeklagte bestritt die Tat. „Ich habe keine Schuld“, sagte der gebürtig aus Bangladesch stammende Mann, der ohne Rechtsbeistand, aber mit Dolmetscher im Saal Platz genommen hatte. Die Version des Angeklagten klang wie folgt: Er und sein Mitbewohner, der ebenfalls aus Bangladesch stammt, habe nie aufgeräumt. Darüber gerieten sie in Streit. „Mein Mitbewohner schlug dann zu, nicht ich. Ich wollte nur raus.“

Der Richter hakte nach. Warum habe der Geschädigte dann Kratzspuren gehab? Und war Alkohol im Spiel? Beides ging aus der Akte hervor. Der Dolmetscher half dem Angeklagten bei seiner Erklärung. „Der hat ihn festgehalten, aber er wollte frei sein.“ Dabei müsse er seinen nunmehr ehemaligen Mitbewohner verletzt haben. Denn sie teilen sich schon seit einiger Zeit kein gemeinsames Zimmer mehr. Laut Aussage des Angeklagten wohnt der Geschädigte auch nicht mehr im Übergangswohnheim.

Die Zeugin konnte auch kein Licht in die Sache bringen, ließ dafür aber kein gutes Haar am Angeklagten. Sie wohne nur wenige Häuser weiter und war mit ihrer Tochter auf dem nahegelegenen Spielplatz. „Der Angeklagte ist als Säufer und Kiffer bekannt“, sagte sie. Und er habe sogar schon die Kinder auf den Spielplatz belästigt. Die Tat an sich habe sie nicht mitbekommen. „Ich traf einige Bekannte am Spielplatz, der Angeklagte stand auf dem Balkon seiner Wohnung und wir haben Scherze auf seine Kosten gemacht.“ Die Quittung kam prompt. Der Angeklagte sei aggressiv geworden, habe die Gruppe beschimpft und Gegenstände nach ihnen geworfen. Der Balkon sei auch der Ausgangspunkt des Streits mit dem Mitbewohner gewesen. „Ich hörte von oben dann einen Schrei und etwas später ist sein Mitbewohner verletzt nach unten gekommen und zusammengebrochen.“ Der Hausmeister habe dann sofort die Polizei gerufen.

Richter Kimmeskamp musste die Verhandlung dennoch vertagen. Er brauchte die Aussage des Geschädigten und des zweiten Zeugen, die für den nächsten Termin, der am 27. April angesetzt ist, vorgeführt werden.