Streit ums Krämersdorf am 1. Mai

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Was wir bereits wissen
Hattingen Marketing möchte das Maifest 2015 mit einem Mittelaltermarkt im Krämersdorf bereichern. Dort aber feiert am 1. Mai traditionell der DGB.

Hattingen..  Seit mehr als 120 Jahren feiert die Arbeiterbewegung den 1. Mai als „Tag der Arbeit“. Seit 15 Jahren findet die Hattinger Veranstaltung dazu im Krämersdorf statt. Zum sechsten Mal organisiert Hattingen Marketing in diesem Jahr ein Maifest in der Innenstadt. Als besondere Zugnummer des bunten Spektakels vom 1. bis zum 3. Mai ist ein Mittelaltermarkt im Krämersdorf vorgesehen. DGB wie Stadtmarketing gehen davon aus, dass ihre Veranstaltung gesetzt ist und die jeweils andere weichen muss. Die Fronten sind verhärtet.

„Erstmals ist beim Maifest in diesem Jahr ein Mittelaltermarkt im Krämersdorf dabei“, sagt Georg Hartmann, Geschäftsführer von Hattingen Marketing. „Die dort üblich stattfindende Maikundgebung des DGB am 1. Mai, die wir auch in unserem Programm aufführen, muss daher ausnahmsweise und einmalig auf den Kirchplatz oder den Reschop-Carré-Platz ausweichen. Für diese einmalige Verlegung bitten wir um Verständnis. 2016 werden wir für das Maifest selbstverständlich einen Termin abseits des 1. Mai finden, so dass die Maikundgebung wie üblich im Krämersdorf stattfindet.“

Hans-Georg Harms sieht das anders. „Wir bestehen darauf, dass unsere Veranstaltung am 1. Mai wie gewohnt im Krämersdorf stattfindet“, betont der Gewerkschafter im Gespräch mit der WAZ. Das habe der „Maikreis“, der die Aktivitäten vorbereitet, jetzt noch einmal einstimmig so entschieden. Auch Überlegungen, dass die Zusammenkunft der Arbeiterbewegung am 1. Mai über die Mittagszeit parallel zum Maifest ablaufen könnte, erteilt Harms eine Absage: „Es kann nicht sein, dass unsere Redner gegen ein lautes Markt-Spektakel anschreien müssen.“ Und schließlich hätten auch die Einzelgewerkschaften und politischen Parteien wie SPD und MLPD ein Interesse daran, dass ihre Stände wahrgenommen würden.

Bemerkenswert ist, dass es zu dem Konflikt kam, obwohl beide Seiten seit September 2014 im Gespräch sind. „Unser Programm hat sich entwickelt“, erklärt Hartmann. „Als sich die Chance mit dem Mittelaltermarkt im Krämersdorf ergab, haben wir unsere Pläne sofort weitergegeben und als Ersatz auch den Platz vor dem Reschop Carré genannt, der sich wegen der Nähe zum Busbahnhof gut für eine Kundgebung eignet.“

„Uns war der Untermarkt angeboten worden, den hätten wir akzeptiert“, hält Harms dagegen. „Erst vor zwei Wochen hieß es, der Untermarkt sei für das Maifest unverzichtbar. So geht das nicht. Wir wollen im Krämersdorf bleiben.“

Das meint auch die Hattinger Montagskundgebung um Moderator Jakobus Fröhlich: „Es kann nicht sein, dass am gesetzlichen ,Tag der Arbeit’ eine Kommerz-Veranstaltung Vorrang hat“, schreibt er in einer Protesterklärung an Bürgermeisterin Goch.