Streikleiter für die Lokführer

Manfred Mulitze
Manfred Mulitze
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Was wir bereits wissen
Manfred Mulitze ist Vorsitzender der GDL-Ortsgruppe Essen. Das Jahr 2014 brachte für ihn viele Anfeindungen und noch mehr Überzeugungsarbeit.

Hattingen..  Für Manfred Mulitze war 2014 ein anstrengendes Jahr – voller Anfeindungen, öffentlicher Diskussion und Überzeugungsarbeit. „Dieses Mal bin ich wirklich froh, dass das Jahr um ist“, sagt der 48-jährige Lokführer. Mulitze ist Betriebsrat im Wahlbetrieb Rhein-Ruhr der Deutschen Bahn (DB) und Vorstandsvorsitzender der Ortsgruppe Essen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

Als solcher hat er für die Rechte der Bahn-Angestellten gekämpft. Dabei stellt er klar: „Keiner streikt gern. Es ist Teil unserer Berufsehre, pünktlich von A nach B zu kommen.“ Dennoch streikten die Lokführer im vergangenen Jahr gleich mehrfach. Der Grund: „Die Bahn enthielt uns ein Grundrecht vor“, betont Mulitze. Nämlich das Recht, dass die Gewerkschaft für alle ihre Mitglieder verhandeln darf – neben den Lokführern gehören dazu auch Zugbegleiter. „Wenn ich das erkläre, dann haben zwei Drittel der Leute Verständnis“, hat Manfred Mulitze erfahren. Und nachdem auch das Landesarbeitsgericht in Frankfurt die Sichtweise der Gewerkschaftler bestätigte, bemerkte der Hattinger, wie sich die Stimmung änderte. Denn zuvor war die Lage mehr als angespannt.

„Wir mussten die Streikenden aus der Schusslinie nehmen“, blickt der 48-Jährige zurück auf die aufgeheizte Stimmung. Die Lokführer waren direkt mit dem Unmut der Reisenden konfrontiert. „Es gab nur den Aufschrei: ‘Die Wahnsinnigen legen das Land lahm.’ Niemand hat anfangs gefragt, was die Bahn für eine Rolle spielt.“ Auch in seinem Umfeld musste sich der Hattinger Diskussionen stellen.

Keine Geiselgangster

Dabei betont er: „Wir sind keine Geiselgangster.“ So wurden Kollegen, die zum Streikbeginn auf freier Strecke waren, gebeten, den nächsten Bahnsteig anzufahren „oder auch drei Bahnhöfe weiterzufahren, wenn dort ein Knotenpunkt war, von dem die Leute besser wegkommen“.

Für Mulitze bedeuteten die Streiks vor allem eines: Arbeit. Seit zwölf Jahren ist er für die Arbeit im Betriebsrat voll freigestellt, wurde erst im Mai wiedergewählt. Schon seit 1994 engagiert er sich. Im Streik übernahm der Gewerkschaftler die Streikleitung – nach der eigentlichen Arbeit. „Das wurden schnell 24-Stunden-Schichten.“ Denn für eine kleine Organisation sei das „eine Menge Arbeit“. Für Mulitze aber eine „Belastung, die auch Spaß macht. Denn ich bin moralisch auf der richtigen Seite.“

Ein positives Ende war für ihn dann auch das Einlenken der Bahn im Dezember mit dem sie der GDL zugestand, auch für Zugbegleiter zu verhandeln. Für das Jahr 2015 wünscht sich der Hattinger nun vor allem „mehr Ruhe“.