Straße mit Humor und Ruhrblick

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Was wir bereits wissen
Die Dahlhauser Straße will entdeckt werden, hat so manchen Seitenabzweig. Hier wird nicht nur gewohnt, sondern auch gehandelt und Service geboten.

Hattingen..  Der ausgestopfte Kopf eines Rehbocks ist an einen Baum genagelt, darunter ein Fahndungsplakat: 500 Dollar gibt’s auf die Ergreifung von Jesses James. Schräg gegenüber, am Haus Nummer 36, hängt der Postbriefkasten. Wer über die Dahlhauser Straße mit einer Fläche von 16.017,97 Quadratmetern und einer Länge von 1477,14 Meter spaziert, kann viel entdecken.

Diverse Abfallcontainer stehen nahe dem Tierkopf. Daneben behauptet sich seit mehr als 20 Jahren ein Kiosk. Von dieser Ecke führt auch ein Fußweg mit Treppe runter zum Beginn der Straße, dorthin, wo gerade weitere Terrassenhäuser mit Blick auf die Ruhr entstehen. Seitenabzweige finden sich allenthalben auf der Dahlhauser Straße. Teils sind sie Privatwege, wie der zu den Häusern 25, 25 a, 29, 29a.

Eine efeubewachsene Garage passierend gelangt man zu einem Garten. In dem schwärmt Susanne Thanheiser (43) vom Leben an der Straße: „Es ist dörflich, gemütlich, man kennt sich, der Wald ist nah, Schule, Kiosk und Spielplatz sind gleich um die Ecke.“ Der Weg wird zum Trampelpfad, führt „zum Parkplatz der Sparkasse“. Da, wo die Günther-Wüllner-Straße abzweigt. Auf die auch der kleine Weg etwas später führt, an dem oben ein Schild angebracht ist: „Frische Eier von freilaufenden Hühner“. Zu finden sie sie allerdings nicht.

Auch Gewerbe ist zu finden

Kurz vorher aber, in dem Zeitschriftenladen, da gibt es Bilderrahmen, Getränke, Porzellanteller, Kinderkleidung, Zeitschriften. „Die kann man sich bei uns auch zurücklegen lassen“, sagt Sonja Bellmann (64). Nebenan ist ein Fußpflegegeschäft, der Friseur etwas weiter unten ist ausgezogen. Steuerberater, Design-Unternehmeb, Maler und Anwälte finden sich hier, eine Änderungsschneiderei feiert zehnten Ge­burtstag. Und Mike zeigt in einem Schaufenster „natural art body 3D“.

Das Stehcafé Ecke Haydnstraße ist nur morgens geöffnet. Ein Haus von 1911 steht neben Häusern im Arbeitersiedlungsstil. Der Bus, Linie 359, von Dahlhausen nach Holthausen, hält mehrfach in der Straße. Auch am Haus Benecken, das viele Stammkunden zählt für Angus-Roastbeef, Grillpfanne und Co. In der Schrebergartenanlage verbringt Eva Starck (72) gern Zeit: „Die Luft ist gut, die Ruhe toll, Vögel singen.“ Wieder auf der Straße wächst hier und da Gras aus Bürgersteiglöchern. Das hätte dem Bock gemundet . . .

Architektonisch viel zu entdecken

Mehrgeschossige Flachdachhäuser, Terrassen- und Fachwerkhäuser, Ruhrsandsteinhaus, Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften, Häuser mit Arbeitersiedlung-Charme und solche aus der Zeit um das Jahr 1900: Architektonisch gibt es an der Dahlhauser Straße viel zu entdecken.

Individuell sind viele Heime gestaltet. So wie das Fachwerkhaus Nummer 22 aus dem Jahr 1721, das letzte Stück, sagt Meinolf Gollan (60), dem ein Teil des Hauses gehört, wurde 1768 angebaut. Verwunschen sieht der Vorgarten aus, Rosen ranken um die Eingangstür, neben der ein Schild hängt: Gestalt-Institut-Rheinland e.V. Der Verein, für den Gollan, der Gestalt-Therapeut ist, einst als Ausbilder arbeitete, ist hier längst nicht mehr. Dafür aber die Psychotherapie-Praxis, die er mit seiner Frau betreibt. 1985 zog er aus Essen an die Dahlhauser Straße, sorgte dafür, „dass das Haus unter Denkmalschutz gestellt wurde“. Das sei bis 1768 ein Rauchhaus gewesen mit Feuerstelle ohne Kamin.

Vor Bodenwellen, die es „längst nicht mehr gibt“, warnt ein Straßenschild auf dem Bürgersteig. Das Schild blieb. So wie das, das hinter Grün an der Hauswand hervorlugt: „Kinder! Kinder!“. „Die Schilder verkaufte mal ein Freund von uns. Anfangs hatten wir es an die Straße gestellt.“ Das war vor Einführung der Tempo-30-Zone. „In der Kurve am Hofladen gab es alle ein bis zwei Wochen einen Unfall.“ Viele Autofahrer nähmen die Straße als Abkürzung nach Bochum, sagt Gollan, in dessen Vorgarten eine Pumpe steht. „Die ist aus der Zeit, als ich eine Handwerksfirma gegründet hatte, Regenwasseranlagen baute.“