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Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage

12.08.2010 | 18:27 Uhr
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage

Hattingen.Die Großveranstaltung „MitMenschen 2010“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe wurden abgesagt, weil es kein Konzept für den „schlimmsten Unglücksfall“ gab.

„Helden – von der Sehnsucht nach dem Besonderen“ lautet der Titel der Ausstellung, die zurzeit in der Gebläsehalle läuft und den zentralen Beitrag Hattingens zur Kulturhauptstadt 2010 markiert. Die Sehnsucht nach dem Besonderen war auch das Motiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) für das Fest „MitMenschen 2010“.

Noch nie hatte der Verband einen so großen und bunten Rahmen gesucht, um seine Kernkompetenzen Integration und Kultur im Schulterschluss zu präsentieren. Ein Fest der Freude und der Begegnung, Selbstdarstellung inklusive. Hunderte Beteiligte haben seit Monaten am Programm gefeilt, Kostüme für Theaterstücke gefertigt, Texte geprobt. Die Euphorie war riesig. Ganze Familien haben sich für den 5. September frei genommen. Jetzt ist die Veranstaltung abgesagt worden. Aus Sicherheitsgründen. Und es bleiben Fragen.

Kommentar
Eine gute Idee sichern

Ein Fest mit dem Ziel, behinderte Menschen ein Stückchen weiter aus ihrer Isolation zu holen, findet nicht statt, gerade weil viele Mitwirkende und Besucher ein Handicap haben. Das ist das wirklich Bittere an der Absage von Hattingen. Und genau vor diesem Hintergrund müssen sich die Veranstalter fragen lassen, warum dies in allen Facetten des bunten Bühnenprogramms eine Rolle gespielt hat, nicht aber in allen Details der Sicherheitsplanungen.

Keine Frage: Nach der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg ist alles anders. Zurzeit werden Sommerfeste von Kleingartenvereinen als Sicherheitsrisiko diskutiert. Und weil das so ist, gibt es an der Tatsache der Absage auch nichts zu kritisieren. Sicherheit geht vor – da hat die LWL-Spitze recht.

Zu fragen bleibt aber, warum der Landschaftsverband im Vorfeld des Begegnungsfestes mit mehr als 10 000 Menschen das Problem einer möglichen Evakuierung ausgerecht mit Blick auf jene Teilnehmer nicht diskutiert hat, um die es bei der Veranstaltung geht: Menschen mit Handicap.

Beim Blick nach vorn hat Robert Laube recht: Die Idee muss gerettet werden. Das Fest der Begegnungen muss stattfinden.

Hattingen wäre eine gute Adresse. Mit Sicherheit.

Vor allem für eine im schlimmsten Unglücksfall notwendige Komplett-Evakuierung des Veranstaltungsortes habe keine Lösung gefunden werden können, die dem nach der Duisburger Katastrophe geschärften Blick auf die Sicherheit der Gäste standgehalten hätte, lautet die zentrale Begründung, mit der LWL-Direktor Wolfgang Kirsch das Fest am Mittwoch abgesagt hatte. Gab es überhaupt ein Evakuierungskonzept? „Ich kann das konkret nicht sagen“, antwortete LWL-Pressesprecher Karl Donath am Donnerstag auf diese Frage. „Ich weiß nicht, ob im Industriemuseum Henrichshütte ein solches Konzept vielleicht schon für vorherige Großveranstaltungen erstellt wurde. Ganz sicher aber nicht für ein Fest mit so vielen Gästen mit den verschiedensten Behinderungen.“

Was eindeutig geklärt ist: die Zuständigkeit. Im Gegensatz zu rein lokalen Veranstaltungen wie „Das Fest“ oder „Public Viewing zur WM“, die von der Hattinger Museumsleitung zwar in Absprache mit der LWL-Direktion in Münster, operativ aber stets in Eigenverantwortung gestaltet werden, waren die „MitMenschen 2010“ von Beginn an ein Kind der Verbandsspitze. Vor allem, weil der LWL-Tag – so die interne Bezeichnung – so viel Selbstdarstellungscharakter haben sollte und alle Bereiche eingebunden waren, lagen alle Fäden in Münster.

Was offenbar auch nicht mehr passte, als das Thema Evakuierung nach Duisburg so dramatisch aktuell geworden war: ein Konzept in sechs Wochen auf die Beine zu stellen. Karl Donath: „Dieser Zeitraum ist viel zu kurz.“

Und so zog dann bei einer Krisensitzung der LWL-Spitze am Dienstag mitten in der Endphase der monatelangen Festvorbereitung ein einziger Satz: „Sicherheit geht vor.“ Ein Satz, den auch der Hattinger Museumschef unterschreibt. „Die Entscheidung ist in Ordnung“, sagt Robert Laube. Was ihn ärgert: dass nun Zweifel an der Sicherheit bei anderen Veranstaltungen im Industriemuseum aufkommen. Gestern haben sich erste Veranstalter selbst kleiner Vortrags- und Messeprojekte erkundigt, wie es denn so aussieht mit der Sicherheit . . .

„Großfeste mit 10 000 Besuchern haben wir hier zweimal im Jahr und wirklich Erfahrung damit“, sagt Laube. „Wir haben auch den MitMenschen-Tag nach unseren Standards vorbereitet.“ Es gebe vor Ort ein entwickeltes Sicherheitsbewusstsein, viele Sicherheitskräfte seien Ausbilder.

Was sich Laube wünscht: dass das „MitMenschen-Fest“ mit Integration und Kultur irgendwann doch stattfindet.

Ulrich Laibacher

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Kommentare
15.08.2010
22:29
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage
von dusselbiene | #10

Bitte: Zeigt mir den Plan für die Evakuierung der Hattinger Innenstadt, wenn Tausende auf den Kirchplatz strömen, um die fettige Bratwurst unseres Vorzeige-Landwirts zu essen.
Wo ist der Evakuierungsplan für die Kirmes auf dem Rathausplatz, wenn Hunderte von Leuten merken, dass sie Karussellfahren nicht vertragen oder besser noch:
Wer evakuiert unser Rathaus, wenn Frau Dr. Goch ihre rosarote Kunstbrille aufsetzt, um uns einen weiteren Stein um den Hals zu bescheren.
Das Beste aber ist das Museumsgelände der Henrichshütte: Wer evakuiert hier die von der Helden-Ausstellung geplätteten Museumsbesucher, die sich von der unglaublichen Banalisierung des Heldentums nicht erholt haben und von der Kunst besoffen in die nächstgelegene Pfütze stolpern.
Mir gehen alle Zimperlieschen dieser Tage auf den Keks, selbst, wenn sie sich als Mann bezeichnen und Organisationen oder Museen führen.

14.08.2010
21:34
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage
von Hier geboren | #9

Hattingen. Die Großveranstaltung „MitMenschen 2010“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe wurden abgesagt, weil es kein Konzept für den „schlimmsten Unglücksfall“ gab.

Was bitte ist die Definition für den schlimmsten Unglücksfall? Gibt es eine 100% Sicherheit?
Nein, die kann und wird es nie geben!
Warum werden sich erst nach dem Unglücksfall in Duisburg Gedanken über den GAU gemacht?
Gab es diese Fallen dort vorher nicht?
Fragen, Fragen, Fragen!
Allgescheite Zecke, bitte beantworten!

14.08.2010
11:58
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage
von dieZecke | #8

Ich bin entsetzt über diese Kommentare: Aber genauso war es in Bochum auch, als die Loveparade abgesagt wurde. Und wäre es in Duisburg wohl auch gewesen.

S i c h e r h e i t hat grundsätzlich vor jeder Massenveranstaltung zu stehen. Und S i c h e r h e i t ist auf diesem Gelände nur bedingt herzustellen. Es dürfte wohl nicht ganz so einfach sein, in einem Unglücksfall in sehr kurzer Zeit behinderte Menschen zu evakuieren. Zumal das Gelände reichlich Stolperfallen hat. So haben vor allem dort Rollstuhlfahrer mit zahlreichen Hindernissen zu kämpfen; die können sich in einem Evakuierungsfall schnell zu lebensgefährlichen Fallen werden!!!!

Wenn man nun zu dem Ergebnis gekommen ist, dass dieses Gelände sich für diese Veranstaltung nicht eignet, dann sollten man froh darüber sein, dass man den Mut hatte, dieses wenigstens zuzugeben. Diese Erkenntnis hat natürlich langfristig Deshalbauch Auswirkungen auf die Planungen möglicher anderer Großveranstaltungen auf dem Gelände.

Zu bedenken geben möchte noch das: Wie groß wäre der Aufschrei der nun so empörten Kommentarschreiber, wenn es dort auf dem Gelände zu einem Ungklück mit Verletzten und Toten gekommen wäre ?

fcstwolf hat in diesem Fall recht. Deshalb von mir ein gaaaaaaanz dickes Lob f ü r die Entscheidung, die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abzusagen. Sie war richtig und auch mutig. Es ist nicht mehr zu verstehen, warum Entscheider, die tatsachläch ihre Verantwortung ernst genommen haben, nun dafür verbal geprügelt werden.

14.08.2010
01:45
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage
von Hier geboren | #7

#6 Das gilt doch für jedes Fußballspiel, oder?
Wird die Bundesligasaison jetzt auch abgesagt oder was?

13.08.2010
23:18
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage
von fcstwolf | #6

Es war achon immer so, dass Kaufhäuser und komplette Einkaufzentren ein Rettungskomzept vorlegen mussten. Nur heute ist man viel sensibler. Wer will in der Komsequenz diese Verantwortung übernehmen?

13.08.2010
19:20
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage
von elephant | #5

Ist es denn nicht überall gefährlich wo viele Menschen zusammenkommen ?Soll daher in Zukunft alles unterbunden werden ?Das kann doch auch niemanden mehr lebendig machen !

13.08.2010
17:43
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage
von viertel | #4

Jeder Kneipenwirt,Kaufhaus,Bus und Bahn,ja selbst Fußgängerzonen z.B beim Schlussverkauf müssten demnach ein Evakuierungskonzept vorlegen.Fazit ,mehr als zwei Personen sind nirgendwo mehr sicher.

13.08.2010
11:58
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage
von Stadtbegleiter | #3

Also ich bin der gleichen Ansicht - wenn das die Konsequenz aus der Lovepaqrade ist, dann finden ukünftig gar keine Feiern mehr statt.
Das Hüttengelände ist riesengroß - es verfügt über 3 Ein- und Ausgänge und genügend Möglichkeiten auf dem Gelände. Also ich finde das einfach zum Kotzen.
Bei aller Betroffenheit - aber bei der Loveparade sprechen wir von mind. 500.000 Besuchern - hier sollen njur 10.000 kommen.
Also nur Mut - oder wollen wir gar nicht mehr feiern.

12.08.2010
20:39
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage
von Keule1979 | #2

Das ist echt ein totaler Witz! Der ober Brüller ist, das die Polizei-Wache direkt gegenüber ist! Das ist der sicherste Platz überhaupt auf dem Hüttengelände! Ich wäre dafür das MitMenschen 2010 doch zu starten!

12.08.2010
20:14
Stolperstein Evakuierung führte zur Fest-Absage
von Risko | #1

Diese Aussagen sind mir einfach zu Pauschal.
Was hat sich geändert zu vor 6 Wochen.
Hätte man in Duisburg die Love Parade aus Sicherheitgründen abgesagt, dann wäre tausende auf de Barrikaden gegangen. Hätten man aber gesagt, das ALLE die rein und auch wieder raus wollen, ALLE durch den Tunnel müssen, da hätten wohl alle gesagt, dass das Risiko zu groß ist.
Aber welches Nadelöhr oder Stolperfalle steht denn hier zur Diskusion.
Man kann auch aus einer Mücke einen Elefanten machen. Gut, man hat es hier mit Behinderten zu tun, aber macht doch bitte nicht so, dass zu jedem Teilnehmer, auch 2 Pfleger und 2 Betreuer benötigt werden.
Da werden wieder einmal Äpfel mit Birnen verglichen. Stimmt, es ist alles Obst.

Da bin ich mal auf die nächste Ü30 bzw. 80iger Party gespannt. Da möchte ich behaupten, dass bei diesen Partys ein größeres Risiko besteht. Speziell so ab 00:00 Uhr , wenn der Pegel so langsam steigt.

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