Stilvolle Zeitreise bei Kerzenschein

Musik aus dem Mittelalter bis zum Frühbarock bei Kerzenschein gab es am Samstagabend in der Kirche St. Georg.
Musik aus dem Mittelalter bis zum Frühbarock bei Kerzenschein gab es am Samstagabend in der Kirche St. Georg.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Quartett versetzt Zuhörer beim Georgs-Konzert mit Musik vom Mittelalter bis zum Frühbarockin eine andere Zeit. Drehtanzrhythmen, Spielmannsweisen und Hexentänze

Hattingen..  „Kurtzweyl und anmuthige Melodeyen“ vom Mittelalter bis zum Frühbarock präsentierten Flötistin Uta-Maria Korsmeier, Cellistin Monika Kasper, Maria Cristina Witte an der Orgel und Schlagzeuger Benny Mokross Samstagabend in St. Georg.

Nicht nur die stimmungsvolle Musik, sondern auch die dezente Kerzenscheinbeleuchtung trägt dazu bei, dass sich die Zuhörer in eine andere Zeit versetzt fühlen. Mit einem Reigen italienischer Tänze aus der Zeit um 1520 eröffnen die Musiker einen zauberhaften Konzertabend; Saltarellos aus dem 14. Jahrhundert mit ihren kraftvoll-markanten Rhythmen beschwören eine Atmosphäre herauf, die an Kirchmarktszenerien im Stil von Victor Hugos „Klöckner von Nôtre Dame“ erinnert. Eingängige Liedmelodien des neapolitanischen Sängers, Lautenspielers und Komponisten Andrea Falconiero (um 1585-1656), der auch an den Höfen von Rom, Modena und Parma tätig war, interpretiert das Musikerquartett zu akzentuierender Schellenbegleitung, die die Drehtanzrhythmen prägnant hervorhebt.

Auch spanische Meister stehen auf dem Programm: „Ay luna que reluzes“ heißt die Weise eines anonymen Meisters um 1556, die mit ihrer hellen Flötenmelodie zu den dezent akzentuierenden Rhythmen der mit der Hand geschlagenen Rohrtrommel fesselt; auch die „Recercada primera“ von Diego Ortiz (um 1510-1570) begeistert in der stilvollen Interpretation, die die dunkle, in sich kreisende Orgelmelodie durch verhaltene Trommelschläge belebt. Weich und hell, doch auch festlich getragen gestalten Uta-Maria Korsmeier, Maria Cristina Witte und Monika Kasper die weit gespannten, ausgeschmückten Melodiebögen eines italienischen Meisters um 1600, von denen vor allem die „Catena d’Amore“ durch ihren zauberhaft-weichen Charakter fasziniert.

Wie sich kraftvolle englische Weisen aus dem späten Mittelalter anhören, zeigen die Musiker in der Estampie aus dem um 1330 entstandenen Robertsbridge Codex. Flotte, sich rasant steigernde Flötenweisen dominieren das an Spielmannsweisen erinnernde Klangbild; helle Trommelschläge heben die punktierten Rhythmen hervor. Eine romantisch-verhauchte helle Flötenweise zu farbig-dunkler Orgel- und Cellobegleitung prägt die Courante von Jacob van Eyck (1590-1657).

Kraftvoll, bisweilen derb unterstreichen Schellen die markanten Rhythmen der vermutlich um 1600 entstandenen englischen Satyrmasken und Hexentänze, die an munter-wildes Treiben bei Volksfesten denken lassen. Mit schnellen italienischen Tänzen aus 1520 und 1578 sowie einer Ungarescha und der Pasttime with good company von Henry VIII ließen die Musiker eine stilvolle Zeitreise ausklingen.