Stieftochter sexuell missbraucht

Foto: Kirsch, Monika
Was wir bereits wissen
Landgericht: Ein Jahr und zehn Monate Bewährungsstrafe für einen 34-Jährigen.

Hattingen..  Sie zittert am ganzen Körper: „Ich seh’ ihn mit Hass“, sagt die junge Frau aus Hattingen und ihr Ton lässt keinen Zweifel. Sie meint ihren Ex-Mann, der ihr im Gerichtssaal gegenüber sitzt, den Mann, der ihre neunjährige Tochter, seine Stieftochter, in vier Fällen sexuell missbrauchte. Am Mittwoch trafen sie sich vor dem Essener Landgericht wieder, das den 34-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilte, ausgesetzt zur Bewährung. Er muss außerdem 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen und seine Therapie fortsetzen.

Übergriffe in der Wohnung

„Ich bin am Ende. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich nichts gemerkt habe“, erklärt die verzweifelte Mutter. Zu den Übergriffen kam es in der gemeinsamen Hattinger Wohnung. Es gab Berührungen. Zum Beispiel, während der Stiefvater dem Kind eine Gute-Nacht-Geschichte erzählte. Im Januar dieses Jahres vertraute die Neunjährige sich der Mutter an.

Er zog die Konsequenzen, war schon im Ermittlungsverfahren geständig und ersparte damit dem Mädchen auch die Aussage bei der Polizei. Er wechselte den Wohnort und begann eine Therapie. Der 34-Jährige ist nicht vorbestraft. Seine sexuellen Neigungen führten nicht zuletzt zu Depressionen und dazu, dass er zweimal versuchte sein Leben zu beenden. Aber, so erklärt er, „das war in der Phantasie einfacher als in der Realität.“

Die Kammer folgt im Urteil dem Antrag von Staatsanwältin Alexandra Rott. Sie berücksichtigt ebenso wie die Strafkammer, dass die Taten an „ der unteren Grenze“ des Möglichen abliefen. Für die Mutter wiegt natürlich alles schwerer, das ist allen Prozessbeteiligten klar.

Verteidiger Dr. Gregor Hanisch, der ebenfalls eine Bewährungsstrafe beantragt, weist darauf hin, wie sehr sein Mandant unter seiner Neigung leidet, „er hadert mit seinem Wesenszug“, so Hanisch. In der vermutlich dreijährigen Therapie, die der 34-Jährige nicht ohne ärztlichen Rat beenden darf, wird er unter anderem Verhaltensmuster erlernen, um mit Versuchungen umzugehen.