Das aktuelle Wetter Hattingen 18°C
Industrie Historie

Stanz- und Schmuggelware

08.04.2011 | 17:07 Uhr
Stanz- und Schmuggelware

Hattingen. Das Bredenscheider Unternehmen ging in der großen Bergbaukrise unter. Oft wurde um den Fortbestand gekämpft.

Eine böse Überraschung erlebten die verbliebenen 30 Mitarbeiter der Bredenscheider Firma Hüser & Weber kurz vor Weihnachten 1969. Durch ein am 15. Dezember eingeleitetes Konkursverfahren verloren sämtliche Arbeitnehmer ihre Stelle. Damit verschwand gleichzeitig eine traditionsreiche Firma von der Bildfläche, deren Geschichte von Höhen und Tiefen geprägt war.

Frohen Mutes gründete der Solinger Werkzeugmacher August Hüser im Jahr 1911 das Unternehmen an der Hackstückstraße, das an Ort und Stelle einen Vorgänger hatte: Es handelte sich dabei um das Stanzwerk Ruthenbeck, das Hüser übernahm. Ursprünglich ließ er in der neuen Firma Nägel für Grubenschienen und Dachrinnenbeschläge produzieren. Doch schon drei Jahre später stand die Firma vor dem Aus. Der Erste Weltkrieg brach aus, zahlreiche Arbeiter wurden eingezogen. Aus der Not heraus stellte Hüser Frauen ein, mit denen die Firma die Kriegszeit überstand.

Krise kam mit Besetzung des Ruhrgebiets

Es schien wieder bergauf zu gehen, erst recht als 1920 Hans-Friedrich Weber als Teilhaber einstieg. Ein neuer Kundenstamm, zu dem Zechen und die Reichsbahn gehörten, entwickelte sich. Zur Produktpalette zählten Nieten und Stanzartikel und damit Waren, die man eigentlich aus anderen Hattinger Betrieben kennt, nämlich der Ruhrtaler Nietenfabrik und Gottwald.

Die nächste Krise ließ nicht lange auf sich warten: Als im Jahr 1923 französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet besetzten, durften keine Waren mehr zwischen besetzter und unbesetzter Zone transportiert werden. Zumindest nicht offiziell: Über den Isenberg gelang es, zahlreiche Güter ins unbesetzte Rheinland zu schmuggeln und so den Fortbestand der Firma zu sichern. Auch die zeitgleich einsetzende Inflation meisterte sie.

Enger Zusammenhalt

Diese harten Zeiten schweißten die Beschäftigten zusammen. Zum 40-jährigen Bestehen des Unternehmens im Jahr 1951 lud August Hüser, der seit Webers Tod 1943 wieder alleine die Geschicke leitete, nicht nur die Belegschaft ein, sondern auch deren Verwandte, Beschäftigte der Zulieferfirmen und mit Fritz Arnscheidt auch der erste Lehrling.

Die Firma machte sich jedoch stark vom Bergbau abhängig. Kaum eine Zeche arbeitete ohne die Erzeugnisse von Hüser & Weber. Als der Bergbau in den 1960er Jahren in seine schlimmste Krise geriet, muss diese auch Auswirkungen auf die finanzielle Situation von Hüser & Weber gehabt haben.

Das Aus kündigte sich aber bereits an, auch wenn es die Arbeiter überraschte. Ihre Zahl schrumpfte von kurz vor Eröffnung des Konkursverfahrens 70 auf 30. Immerhin bekamen sie fast durchweg eine neue Arbeitsstelle, ein kleiner Teil wurde frühzeitig pensioniert.

Oliver Bergmann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4521010/create

Aktuelle Fotos und Videos
Integrationsfest
Bildgalerie
Fotostrecke
Taufstein als ökumenisches Verbindungsglied
Bildgalerie
Kirche
Pfingstkirmes
Bildgalerie
Rummel
Aus dem Ressort
VHS im Zweckverband ist vom Tisch
Volkshochschule
Hattinger Beitritt abgelehnt. Einrichtungen sind zu unterschiedlich. Kooperationen angestrebt.
Quartett unterstützt Bildungsarbeit
Förderverein
Vorstand des VHS-Fördervereins setzt auf Ideen und Projekte.