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Stahlindustrie in der Region befürchtet Nachteile

01.02.2016 | 18:01 Uhr
Stahlindustrie in der Region befürchtet Nachteile
Die Warmbreitbandstraße von ThyssenKrupp in Bochum: Das Stahlwerk ist nur zu zwei Drittel ausgelastet.Foto: Ingo Otto

Witten/Hattingen/Bochum.  Vor einer zu hohen Kostenbelastung der Stahlindustrie warnen gemeinsam Arbeitgeber und IG Metall. Betriebe investierten deshalb immer mehr im Ausland.

Nicht selten sitzen sie sich am Verhandlungstisch unversöhnlich gegenüber. In diesen Tagen aber passt zwischen Stahlunternehmen und der IG Metall kein einziges der modernen, millimeterdünnen Verbundstähle, wie sie etwa bei Thyssen-Krupp Steel Europe (TKSE) in Bochum hergestellt werden.

In einer gemeinsamen Erklärung wenden sich IG Metall und die Wirtschaftsvereinigung Stahl gegen eine „übermäßige Kostenbelastung der Stahlindustrie“ durch die „drohende Verschärfung des Emissionshandels“, wie es heißt.

Immer weniger Investitionen in heimische Produktion

Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie investieren immer weniger in den Ausbau ihrer heimischen Produktionskapazitäten, sagt der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes der Eisen- und Metallindustrie für Bochum und Umgebung, der zwischen Hattingen und Witten ansässige Unternehmer Friedrich Wilhelm Wengeler (Wengeler & Kalthoff). „Erweiterungsinvestitionen und damit Wachstum finden seit einigen Jahren nur noch im Ausland statt“, meint er.

Zwar habe die Metall- und Elektroindustrie im vergangenen Jahr rund 39 Milliarden Euro in Bauten und Ausrüstung investiert. Allerdings werde damit unter dem Strich nur noch der Bestand gesichert, so Wengeler. In den letzten acht Jahren habe der Wert der Abschreibungen um das Vierfache über dem der Bruttoinvestitionen gelegen. „Das ist ein eindeutiges Alarmsignal für eine schleichende Deindustriealisierung in unserem Land.“

Unternehmen weiten Budgets für Engagement im Ausland aus

Demgegenüber hätten die Unternehmen der Branche ihre Budgets für Auslandsengagements ausgeweitet. In den Jahren 1995 bis 2012 sei der Bestand deutscher Direktinvestitionen in die ausländische Industrie um mehr als 350 Prozent gestiegen – von 77 Milliarden auf inzwischen 352 Milliarden Euro.

„Die im Vergleich zu Deutschland anderswo günstigeren Produktionskosten gewinnen zunehmend an Bedeutung, wenn Unternehmen über Investitionsstandorte nachdenken“, betonte Wengeler. Bei Gesprächen mit Unternehmer-Kollegen aus der Region nehme er immer mehr wahr, dass Markterschließung und Kundennähe zwar nach wie vor wichtige Motive für Auslandsinvestitionen seien. Doch der zuletzt wieder zulasten deutscher Standorte gewachsene Abstand bei den Arbeitskosten rücke bei Standort-Überlegungen zunehmend in den Vordergrund.

IG Metall: Anreize für umweltschonende Produktion schaffen

Die IG Metall Bochum hatte zu einer Aktionswoche aufgerufen, in der sie deutlich machen wollte, dass nicht Zertifikate für umweltschädlich produzierten Stahl verteuert, sondern Anreize für eine umweltschonendere Produktion geschaffen werden sollten. „Der Umweltschutz steht weiterhin im Vordergrund“, heißt es aus Kreisen der Gewerkschaft. „Er darf aber nicht durch Deindustrialisierung erreicht werden.“

Andreas Rorowskiund Michael Brandhoff

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2016-02-01 18:01
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