Stadtwerke wollen Gaspreise 2016 senken

Jürgen Wille
Jürgen Wille
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Was wir bereits wissen
Geschäftsführer Jürgen Wille kündigt Absenken der Tarife zum 1. Januar an. Neuausrichtung des Unternehmens geht weiter. Umzug an den neuen Standort ist fest im Blick.

Hattingen..  Gas wird günstiger. Das ist die gute Nachricht von Jürgen Wille bei der Vorstellung des Geschäftsberichts für das Jahr 2014. Der Geschäftsführer der Stadtwerke kündigt eine Absenkung der Tarife für seine gut 12 000 Hattinger Kundenhaushalte zum 1. Januar 2016 an. Dass Strom nicht ebenfalls billiger werde, liegt nach Willes Angaben nicht an den Stadtwerken, sondern an den Rahmenbedingungen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz fresse das mögliche Einsparpotenzial wieder auf. Der Hattinger Energieversorger, der erst zum Jahresbeginn ins Stromgeschäft eingestiegen ist, rechnet mit gleichbleibenden Preisen für seine noch dreistellige Zahl an Kunden. 1000 sollen es zum Jahresende sein.

Dass die Stadtwerke Hattingen neuerdings Gas, Wasser und Strom aus einer Hand anbieten, nagt an der über Jahrzehnte geltenden Marktaufteilung mit der AVU. Der regionale Energieversorger für den Ennepe-Ruhr-Kreis stellt seine Jahresbilanz heute in Gevelsberg vor und muss sich beim Blick nach Hattingen auf ein neues Selbstbewusstsein einstellen. So haben sich die Stadtwerke beim Gas von der Abhängigkeit ihres zuvor einzigen Lieferanten AVU gelöst und kaufen jetzt weltweit ein. Beim Strom steht eine Kündigung des Konzessionsvertrages im Raum. Die Stadtwerke Hattingen möchten beim Stromgeschäft mitverdienen und planen eine Übernahme des Stromnetzes. Vieles spricht für ein Pachtmodell. Danach kaufen die Stadtwerke die Stromverteilungsanlagen zur allgemeinen Versorgung von der AVU und verpachten sie dann zurück. Die AVU bleibt Netzbetreiberin.

Eine Lösung, bei der die Stadtwerke allerdings zunächst gut zehn Millionen Euro in die Hand nehmen müssten, ehe es ans Geldverdienen geht. Für Jürgen Wille ist das aber durchaus darstellbar, auch wenn 2017 die neue Unternehmenszentrale direkt an der Ruhr bezogen werden soll, die fünf bis sechs Millionen Euro kostet.

Gasabsatz brach im Winter ein

Apropos Kosten: Das Betriebsergebnis der Stadtwerke ist 2014 um gut eine Million Euro auf 923 000 zurückgegangen, vor allem wegen des im milden Winter eingebrochenen Gasabsatzes. Durch steuerliche Sondereffekte konnte das Jahresergebnis aber bei rund einer Million Euro gehalten werden. Das will Jürgen Wille in diesem Jahr auch ohne Sondereffekte wieder schaffen. Den Weg, das Unternehmen neu auszurichten, setzt er konsequent fort.

Deutlich markiert Wille im Geschäftsbericht Versäumnisse seines Vorgängers (Kostenvorteile nicht genutzt, keine eigenen Produkte, Werbung lag brach, Nachzahlungen nach Kontrollen). Jürgen Wille hat die Stadtwerke unabhängiger gemacht, neue Produkte eingeführt. Jetzt folgen Mitarbeiter-Fortbildungen und Altersteilzeitprogramme, neue IT-Systeme und ein Projekt zur Effizienz-Steigerung.