Stadt will am Strom mitverdienen

Mit der Verteilung von Strom lässt sich aktuell gutes Geld verdienen. Die Stadt Hattingen will deswegen ihren Vertrag mit der AVU ändern.
Mit der Verteilung von Strom lässt sich aktuell gutes Geld verdienen. Die Stadt Hattingen will deswegen ihren Vertrag mit der AVU ändern.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Verwaltung schlägt der Politik die Beendigung des Konzessionsvertrages mit der AVU vor. Zukunftsalternativen sind eine Kündigung zugunsten der Stadtwerke oder ein Pachtmodell

Seit Jahrzehnten ist die Verkaufsverteilung in dieser Stadt klar geregelt: Gas und Wasser gibt es bei den Stadtwerken, Strom bei der AVU. Zwar machen die Hattinger Stadtwerke der AVU seit Beginn des Jahres zarte Konkurrenz mit einem eigenen Strom-Angebot, können und wollen an der marktbeherrschenden Position des Gevelsberger Kreis-Versorgers in diesem Segment aber nicht rütteln. Das macht jetzt die Stadtspitze im Rathaus mit einem Vorstoß in die Politik. „Beendigung des Konzessionsvertrages Strom zwischen der Stadt und der AVU“, steht über einer Verwaltungsvorlage, die der Haupt- und Finanzausschuss heute diskutiert.

Der Vertrag, um den es geht, läuft seit 2009 und endet Ende 2028. Inhalt: Die AVU vermarktet und verteilt in Hattingen den Strom, die Stadt erhält Konzessionsabgaben. „Am wirtschaftlichen Erfolg aus dem Stromversorgungsnetz partizipiert die Stadt Hattingen derzeit nicht“, heißt es in der Vorlage. Womit das Rechnen beginnt. 5,9 Millionen Euro Gewinn aus der Stromverteilung weist der Jahresabschluss der AVU für das Geschäftsjahr 2013 aus. Zieht man die Ertragssteuer ab, bleiben rund vier Millionen Euro übrig. Nach dem Verteilungsschlüssel für das Versorgungsgebiet erhält Hattingen rund 25 Prozent, also rund eine Million. Abzuziehen ist allerdings der Anteil der Hochspannung, der der Stadt nicht bekannt ist und über einen Gutachter ermittelt werden müsste. Von dem, was übrig bleibt, erhielte Hattingen aufgrund der Beteiligungsverhältnisse 60 Prozent, wenn nicht die AVU, sondern die Stadtwerke GmbH Besitzer der Stromverteilungsanlagen wäre. Branchenkenner schätzen den Mehrwert für die Hattinger Stadtkasse auf rund 300 000 Euro.

Wobei die Sache mit der Übernahme einen Haken hat: Das für diesen Weg vorgeschriebene Bewerberverfahren könnte ein anderes Energieversorgungsunternehmen gewinnen. Dann würde sich für Hattingen nichts ändern.

Nicht zuletzt aus diesem Grund hat die Verwaltung eine Alternative in die Vorlage geschrieben: ein Pachtmodell. Danach kaufen die Stadtwerke Hattingen die Stromverteilungsanlagen zur allgemeinen Versorgung und verpachten diese an die AVU. Die bleibt Netzbetreiberin. Die Stadtwerke erhalten über den Pachtvertrag Einfluss auf die Investitionen. Der Pachtvertrag läuft bis Ende 2028 entsprechend dem Konzessionsvertrag Strom, der nicht gekündigt werden muss, sondern bestehen bleibt.

Für die Stadtwerke wäre dieses Pachtmodell nicht nur risikoärmer, weil es keine Mitbewerber gäbe, sondern auch preiswerter, weil die Pachtzahlungen der AVU dagegen stehen. Allerdings dürfte der Mehrertrag niedriger ausfallen als bei einer Kündigung des Vertrages.