Stadt beauftragt umstrittene Berater

Eltern der Grundschule Blankenstein sorgen sich, dass ihre Schule geschlossen wird. Sie sammeln Unterschriften für den Erhalt der Schule.
Eltern der Grundschule Blankenstein sorgen sich, dass ihre Schule geschlossen wird. Sie sammeln Unterschriften für den Erhalt der Schule.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Unternehmen Biregio erstellt Schulentwicklungsplanung. Bürgermeisterin Goch: Nicht alle Standorte bleiben. Eltern in Blankenstein sammeln Unterschriften.

Hattingen..  Mit der Erstellung eines Gutachtens zur Schulentwicklungsplanung hat die Stadt das umstrittene Unternehmen Biregio beauftragt. Im ZDF-Magazin „Frontal 21“ wurde kürzlich bericµhtet, die Firma fertige Gutachten als reines Zahlenwerk ohne die Bedeutung für einen Stadtteil zu berücksichtigen oder gar nach politischem Gusto der Auftraggeber an.

In Sorge vor dem Ergebnis sind auch die Eltern an der Grundschule Blankenstein: „Aus verwaltungsnahen Kreisen haben wir erfahren, dass die Schließung besonders diskutiert wird“, sagt Stephanie Heckmann, Vorsitzende des Fördervereins. Sie fürchtet: „In Blankenstein gibt es viele Baugebiete. Wird die Schule geschlossen, wird den Familien die Grundlage genommen.“

Deshalb hat sie mit anderen Eltern einen offenen Brief an die Stadt verfasst. Außerdem wurden 1000 Karten für eine Unterschriftenaktion auf dem Bündnisfest am kommenden Samstag gedruckt und „über ein Bürgerbegehren haben wir zumindest nachgedacht – vielleicht zusammen mit anderen Schulen“, überlegt sie. Was sie über Biregio erfahren haben, beunruhigt die Eltern: „Die Gutachten sind eine reine Zahlenanalyse, uns ist aber die Lebenqualität und pädagogische Qualität wichtig.“

Blick von außen ist hilfreich

Bürgermeisterin Dagmar Goch betont, die Beratungsfirma habe nicht allein die Daten von der Stadt erhalten, sondern auch politische Hintergründe erfahren. Ausgelagert habe die Stadt die Planung, weil sie selbst nicht genügend Personalkapazitäten hat. „Außerdem ist es hilfreich, wenn jemand von außen mit der Erfahrung aus anderen Städten das Thema analysiert.“

Sicher sei aber bereits, dass nicht alle Schulstandorte erhalten werden können. Insgesamt 22 000 Quadratmeter Schulfläche, so die Einschätzung der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA), müsse die Stadt einsparen. In zehn Jahren sei die Schülerzahl um fast 1500 gesunken. „Ob die Flächenberechnungen noch valide sind, wage ich aber zu bezweifeln“, sagt Goch. Zum Beispiel durch neue Aufgaben der Inklusion sei der Raumbedarf gestiegen. Auch berücksichtige das GPA-Gutachten noch nicht das Aus der Realschule im Schulzentrum. „Wenn wir uns gegen die GPA entscheiden, müssen wir das bei der Bezirksregierung begründen. Das neue Schulrechtsänderungsgesetz zur Inklusion ist aber ein gutes Argument“, erklärt Goch.

Dass eine Schule besonders auf der Kippe steht, möchte die Bürgermeisterin nicht bestätigen: „Was im Rat am 1. Oktober diskutiert wird, müssen wir sehen. Wir wollen Lösungsvorschläge und auch Handlungsalternativen haben.“ Mit dem Gutachten von Biregio wünscht sie sich „Argumente, um nachvollziehbar zu machen, dass eine Lösung vielleicht nicht für den Einzelnen, aber für die Gesamtsituation der Stadt gut ist.“