Sport-Gewerbe ist ein Erfolgsmodell

Der Kunstrasenplatz in Niederbonsfeld war der erste, in den die Stadt Erträge aus dem „Betrieb gewerblicher Art Sportstätten“ steckte. Im September 2011 wurde er eröffnet.
Der Kunstrasenplatz in Niederbonsfeld war der erste, in den die Stadt Erträge aus dem „Betrieb gewerblicher Art Sportstätten“ steckte. Im September 2011 wurde er eröffnet.
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Was wir bereits wissen
Seit 2008 führt die Stadt ihre Sportstätten als Betrieb gewerblicher Art. Nach sechs Jahren liegt der finanzielle Vorteil bei insgesamt 863 000 Euro.

Lange haben sie überlegt und gerechnet, Vor- und Nachteile abgewogen. Dann stand die Entscheidung: Wir machen das. In enger Absprache mit den Sportvereinen brachten Rat und Verwaltung im September 2008 die Errichtung des „Betriebes gewerblicher Art Sportstätten“ auf den Weg. Im Kern geht es bei dieser Konstruktion darum, dass die Vereine für die Nutzung der Sportstätten Gebühren zahlen und die Stadt im Gegenzug erhebliche Steuervorteile einstreicht, die sie an die Clubs weiterreicht.

So ist es dann auch gelaufen. Insgesamt 863 000 Euro sind in den ersten sechs Jahren des Modells zusätzlich in der Stadtkasse gelandet. Als erfreulich bezeichnete Stadtkämmerer Frank Burbulla in seinem Sachstandsbericht im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend nicht nur die Höhe der Summe, sondern vor allem die Tatsache, dass das Finanzamt das Konstrukt in dieser Form mit allen ihm zugeordneten Sportanlagen und allen festgesetzten Nutzungsentgelten überhaupt anerkannt habe.

Ein Euro Nutzungsgebühr

Wobei die Meinungen bei den Betriebsprüfungen im Detail auch auseinandergingen. So hatte das zuständige Finanzamt Herne zunächst Zweifel daran, dass neben der reinen Vermietungstätigkeit auch zusätzliche Leistungen in einem Maße erbracht werden, die das Modell rechtfertigen. Auch über die steuerliche Wirksamkeit im ersten Jahr 2008 gingen die Meinungen auseinander. Es gab Vorauszahlungen und Rückforderungen, Einsprüche und Einigungen.

Jetzt steht die Bilanz. Wobei sich die Stadt ebenso als Gewinner fühlen darf wie die Sportvereine. Die zahlen zwar seit dem 1. Januar 2009 für die Nutzung der Sportanlagen ein einheitliches Entgelt von einem Euro je Stunde. Profitieren aber durch Zuwendungen in ihre Infrastruktur von den Steuervorteilen der Kommune, die vor allem beim Vorsteuerabzug entstehen. So ist ein großer Teil des Geldes in die Mitfinanzierung der Kunstrasenplätze geflossen – und soll dass auch weiterhin. Zählt man zu den durch das Modell erwirtschafteten 863 000 Euro die Sportpauschale hinzu, ergeben sich für die Jahre 2008 bis 2013 insgesamt freie Mittel in Höhe von 1,2 Millionen Euro, von denen 948 000 Euro in die Finanzierung der Kunstrasenplätze geflossen sind und weiter fließen werden, heißt es im Sachstandsbericht des Kämmerers.

Der städtische Beitrag für den Kunstrasenplatz in Niederbonsfeld lag bei 158 000 Euro, für den Wildhagen bei 229 000, für Welper bei 207 000 Euro. Die Anlagen an der Munscheidstraße und in Blankenstein stehen mit 180 000 und 178 000 Euro in den Planungen. Für Niederwenigern kam der Zuschuss aus Kanalbaumitteln.