Sport begeistert 108 Mitglieder als Gemeinschaft

Sportbegeistert: die Abteilung Sport mit geistig Behinderten, die Erika Rohleder (hinten, Mitte) 1986 gründete.
Sportbegeistert: die Abteilung Sport mit geistig Behinderten, die Erika Rohleder (hinten, Mitte) 1986 gründete.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
1986 gründete Erika Rohleder beim TV Haßlinghausen eine Abteilung für Behinderte

Sprockhövel..  Erika Rohleder (62) vom TV Haßlinghausen hatte einen ganz schlichten und gleichzeitig genialen Gedanken. „Für jede Sportart hat irgendwo ein Verein seine Abteilungen – nur nicht für Menschen mit Behinderung.“ Heute hat sich das vielleicht geändert. Doch als sie die Idee zur Abteilung Sport mit geistig Behinderten hatte, war das Jahr 1986 und damit eine Zeit, als es das Wort Inklusion noch nicht gab.

„Wir haben das damals mit einer kleinen Gruppe getestet“, sagt sie. Mit einem Dutzend Sportler in der Grundschule Hobeuken. Bereits ein Jahr später gründete der Turnverein auch offiziell die Abteilung. Seitdem wuchs sie stetig. „Heute reisen die Sportler mit Bussen zum Training an und wir haben 108 Teilnehmer, die sogar aus Bochum oder Wuppertal kommen.“ Die Grundschule Hobeuken wäre da natürlich aus allen Nähten geplatzt. Das Training findet mittlerweile in der Kreissporthalle in Haßlinghausen statt.

Erika Rohleder, die sich mit ihrem Mann Harald Rohleder (62) um die Abteilung kümmert, hat viel Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit Behinderten. Bis 1986 war sie Sportlehrerin an einer Wuppertaler Förderschule. Durch die Arbeit konnte sie wichtige Kontakte knüpfen. „Wahrscheinlich ist das der Grund, warum es sich herumgesprochen hat, dass der TV Haßlinghausen eine solche Abteilung eingerichtet hat.“

Die Arbeit mit ihren Sportlern finde sie unheimlich schön. „Alle 108 sind natürlich nie da, im Durchschnitt kommen 60 zum Training und das sogar, wenn sie gar nicht mitturnen können.“ Die Mitglieder der Sportabteilung sind wie eine Familie. Die schönen, aber auch die traurigen Dinge werden geteilt. Sieben Übungsleiter kümmern sich um die Gruppe, vor allem viele Jugendliche.

Der Turnverein hat sich für diese besondere Sportabteilung sogar ein eigenes Sportabzeichen ausgedacht.

In jede Aktion, die der Verein unternimmt, ist die Abteilung mit eingebunden. Gelebte Inklusion. Doch wenn es nach Erika Rohleder ginge, bräuchte es dafür nicht extra einen Namen. „Das ist einfach eine Selbstverständlichkeit.“