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Spiel der Könige

18.10.2009 | 20:20 Uhr

Schachfest lockt Familien an Spieltische. Ergebnis einer Studie in Kindergärten: Das Brettspiel fördert Persönlichkeit.

Langsam rückt sie den Läufer ein Feld weiter. Sandra (9) gegen Tina (9) im Spiel der Könige. Sie sitzen an einem der vielen Tische in der Gebläsehalle. Hier findet das „Schach für Kids Kinderfest” statt. Neben diesem stehen die Ergebnisse der Studie „Schach im Kindergarten” im Mittelpunkt.

Die ersten Besucher schauen vorbei. Betrachten große und kleine Figuren. Neben den normalen Schachtischen gibt es auch Varianten: Vier gewinnt, Schiffe versenken oder Memory mit Schachfiguren.

Für Organisator Ralf Schreiber vom Schachverein Hattingen ist die „Eröffnung” gelungen. „Wir wollen mit den Varianten spielerisch den Bezug zum Schach herstellen und so die Kinder dafür begeistern.”

Die Gebläsehalle füllt sich. Familien besuchen das Kinderfest. Und probieren die Mini-Spiele aus. So kegelt Marvin (8) große Schachfiguren um. Andere spielen Schach so, dass sie nur mit den Springern schlagen. Beim Wende-Spielbrett gilt: Aufstellung merken, Brett umdrehen den Zug nachspielen.

Um in der Sprache der Schachspieler zu bleiben – die Figuren sind mobilisiert. Grund für Ralf Schreiber zum „Mittelspiel” überzugehen. Und die Ergebnisse der wissenschaftliche Studie „Schach im Kindergarten” vorzustellen. Was Schreiber im Jahr 2006 begonnen hat, findet nun seinen vorläufigen Abschluss.

Die Studie, welche die Mercator Stiftung mit 60 000 Euro unterstützt, belegt: Schach im Kindergarten fördert die Entwicklung der Persönlichkeit und greift als pädagogisches Mittel in der Erziehung. Winfried Kneip von der Mercator Stiftung sagt: „Es gilt mit den Erkenntnissen neue Wege des Lernens und Lehrens zu gehen und in die Breite zu tragen.”

Elf Kindergärten hat Dr. Marion Bönsch-Kauke 18 Monate untersucht, davon acht in Hattingen. Drei Kindergärten sind die Kontrollgruppe. Interviews mit Kindern, Angehörigen und Erziehern sowie Beobachtungen und Aufzeichnungen mit Kameras bilden die Methoden. Interessant sei die Herangehensweise gewesen: ob Erzieherinnen freies Spiel ermöglichen oder klassisch Spielregeln lehren. Oder wie das Verständnis von Geschlechterrollen der Erzieher auf die Kinder wirkt.

Positiv bei allen Gruppen: die gestiegene Hilfsbereitschaft, Geduld, Respekt, aber auch Zielstrebigkeit, Konzentration sowie Merkfähigkeit. Auch Sprachprobleme lösen sich. Aber nicht nur Kinder verändern sich. Auch Angehörige und Erzieher lernen neue Seiten an den Kindern kennen – ein Mehr-Generationen-Projekt. Bevor es in der Halle zum „Endspiel” kommt, fasst Marion Bönsch-Kauke zusammen: „Schach weckt positive Emotionen und macht Kindern einfach Spaß.”

Timo Klippstein

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