Speisekarten für Allergiker

Allergene sind auch in Restaurants jetzt kennzeichnungspflichtig.
Allergene sind auch in Restaurants jetzt kennzeichnungspflichtig.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Gastronomen müssen Lebensmittel-Allergene in ihren Gerichten neuerdings kennzeichnen. Was mancher Wirt für durchaus sinnvoll hält.

Hattingen..  „Enthaltene Zusatzstoffe finden Sie auf unserer Extrakarte. Bitte fragen Sie unser Service-Personal.“ So steht es auf jeder Speisekarte des Café Adele in der Hattinger Innenstadt. Dass der Umfang dieser Extrakarte neuerdings noch größer geworden ist, liegt an einer neuen europaweiten Verordnung: Nach dieser müssen Gaststätten, Hotels und Restaurants Lebensmittelallergene auf ihren Karten nun im Detail kennzeichnen.

Insgesamt 14 Stoffe sind dabei auszuweisen – von Milch und (Erd)-Nüssen über Senf und Sesam bis zu Sellerie. Café-Adele-Inhaber Frank Dziwior hält die EU-Verordnung dabei für durchaus sinnvoll: „Es ist doch wichtig, dass man auch als Allergiker auswärts essen und sich dabei relativ sicher sein kann, dass einem nichts Schlimmes passiert.“ Dziwior sieht die Tatsache, dass er für die Erstellung der Allergikerkarte einen Mitarbeiter für eine ganze Woche abstellen musste, denn auch recht entspannt.

Uwe Weiß, Inhaber des Gasthauses Weiß, lässt derweil durchblicken, dass er die neue EU-Verordnung eher für eine Form von Überreglementierung hält – auch wenn es auch bei ihm die Zusatzkarte für Allergiker bereits seit vier Wochen gibt; auch hier wird der Gast in der Speisekarte auf diese hingewiesen. „Bislang“, so Weiß, „hat bei uns allerdings noch kein Gast nach dieser Sonderkarte gefragt.“

Bei den Rundgängen der Lebensmittelkontrolleure des Kreis-Veterinäramtes in den Restaurants und Gaststätten indes ist die EU-Verordnung „ein tägliches Thema“, betont Kreissprecher Ingo Niemann. Zwar gebe es in Deutschland hierzu bislang erst eine „vorläufige Durchführungsverordnung“, fehle u. a. ein „Ordnungswidrigkeitskatalog“. Insofern wurden Sanktionen gegen Wirte, die die Richtlinie noch nicht umgesetzt haben, auch noch nicht verhängt. Aber, so Niemann: Die Kontrolleure machten im Fall der Fälle schon deutlich, dass die Umsetzung baldmöglichst erfolgen müsse. Und: Man berate auch dabei, wie dies gehen könnte.

Genau in einem solchen Prozess befindet sich zurzeit noch Sotirios Christanas vom Café Mexx. So etwas sei halt „nicht mal eben gemacht“, betont er. Aber klagen will Christanas nicht. Zumal er genau weiß, wie wichtig diese Kennzeichnungspflicht für manch’ einen sein kann: Er ist selbst Allergiker.